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Kritik von Erzieherinnen: Entscheidung bevorzugt Gutverdienende

Von allen Parteien im Rat gefeiert: Drittes Kindergartenjahr kostenfrei

Rinteln (wm). Alle Parteien feierten den Beschluss in der Haushaltsdebatte am Donnerstagabend im Rintelner Ratskeller als großen Schritt in Richtung familienfreundliche Stadt: die Einführung von kostenlosen vier Kindergartenstunden im letzten Kindergartenjahr - erstmals ab Sommer dieses Jahres.

Für die Kleineren müssen Eltern auch künftig zahlen, das letzte

Die CDU hätte gern mehr gehabt, nämlich einen grundsätzlich kostenlosen Kindergarten - aus fiskalischen Gründen ist man dann doch vor dieser Entscheidung zurückgeschreckt. SPD und die Grünen hatten das Ziel eines kostenlosen letzten Kindergartenjahres bereits in ihrem Positionspapier festgeschrieben. Jetzt hoffen alle auf die Landes- oder Bundesregierung, die für die Kommunen einspringen und die Kosten übernehmen soll. Er zumindest gehe fest davon aus, erklärte SPD-Fraktionssprecher Klaus Wißmann. Dann würde, kündigte Wißmann an, Rinteln "automatisch" den nächsten Schritt tun und ein weiteres, zweites Kindergartenjahr kostenfrei anbieten, auch hier im Konsens mit CDU und WGS. Das sei zwar fiskalisch ein Risiko, aber "man muss Prioritäten setzen", so Wißmann. Ein Stichwort, das Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz aufgriff, der es bei aller Euphorie für seine Pflicht hielt, darauf hinzuweisen, dass die neue Regelung zumindest Kämmerin Cornelia Budde die "Sorgenfalten" auf die Stirn treibe. Immerhin verzichte die Stadt damit ab dem Jahr 2008 jährlich auf 169 000 Euro an Gebühreneinnahmen - und das auf Dauer. Grünen-Chefin Ursula Helmhold betonte, eine "wunderbare Betreuungslandschaft", also ein kostenloses Kindergartenjahr, eine Ganztagsbetreuung und ein komplettes Schulangebot, sei künftig ein wichtiger "Standortfaktor" einer Stadt. Ein Faktor, den auch Firmen bei Ansiedlungsplänen berücksichtigen würden. Unter Erzieherinnen gibt es allerdings auch kritische Stimmen zu dieser Entscheidung, die darauf hinweisen, dass kostenlose vier Kindergartenstunden letztlich wieder besonders die Gutverdienenden bevorzugten. Denn Alleinerziehende seien auch auf Nachmittagsstunden angewiesen und die seien nicht kostenfrei. Außerdem seien die Schlusszeiten der Kindergärten unterschiedlich, manche Kindergärten würden mittags bereits um 12.30 Uhr, andere um 13 Uhr schließen, mit der Folge, dass dann die Verwaltung Gebührenbescheide für eine oder eine halbe Stunde ausstellen müsse - ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand.

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