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Kinderschutzbund sucht noch Paten

Vom Wunsch, eine ganz normale Familie zu sein

Rinteln (mld). In der "Spiel- und Lernstube" ist kein Platz mehr frei. Das Publikum lauscht den Worten von Martina Hensel vom Bielefelder Kinderschutzbund und Bettina Barthel, Familienpatin. Sie berichten von ihren Erfahrungen, die sie mit dem Projekt "Familienpaten" gemacht haben, das den Alltag von Familien durch den ehrenamtlichen Einsatz geschulter Paten erleichtern will. Der Rintelner Kinderschutzbund startet jetzt dasselbe Projekt: Heute ist die erste Schulung zum Familienpaten.

Martina Hensel

Die beiden Frauen erzählen von einigen Familien, die sie in Bielefeld betreut haben: Von einer Mutter, die seit der Geburt ihrer Drillinge keine Nacht durchgeschlafen hat und deswegen öfter vergisst, welches ihrer Kinder sie gefüttert und gewickelt hat und welches nicht. Oder von einer Mutter, die nach dem Tod ihres Mannes mit ihrem Sohn allein blieb und zuließ, dass ihr Kind wochenlang nichts anderes aß als Kartoffelchips. "Familienpaten sind eine Chance für überforderte Familien", sagt Hensel. Ihr Hilfe sei unkompliziert und vor allem unbürokratisch: Die Familien müssen keinen Vertrag unterschreiben. Sie können die Zusammenarbeit jederzeit beenden. Die Paten spielen mit den Kindern, gehen mit ihnen spazieren, helfen bei Hausaufgaben, unternehmen Ausflüge, reden mit den Eltern. Üblich sind Besuche ein oder zwei Mal pro Woche für jeweils etwa zwei Stunden. Jede Familie kann sich an den Kinderschutzbund wenden: Alleinerziehende, Eltern von Mehrlingen oder Kindern, die besonders viel Aufmerksamkeit brauchen, sowie Eltern, die sich unsicher bei der Erziehung ihrer Kinder sind. Ersten Kontakt mit den Familien stellt der Kinderschutzbund telefonisch her. Akzeptiert die Familie die Unterstützung, besuchen ein Vertreter des Kinderschutzbundes und ein infrage kommender Pate die Familie zu Hause. Die folgenden Treffen macht der Pate allein. "Wichtig ist, dass die Chemie stimmt", erzählt Patin Barthel. Einige Eltern erwarteten, mit einem Paten gleichzeitig Koch und Haushaltshilfe zu bekommen. Häufig sei der Wunsch, Probleme allein zu stemmen, eine "normale" Familie zu werden. Der Pate wiederum müsse lernen, seine Pläne der Familie nicht überstülpen zu wollen und sich nicht durch hohe Erwartungen zu überfordern. Einmal im Monat treffen sich alle Paten, um sich auszutauschen, zu beraten oder Fachvorträge zu hören: über besondere Kinderförderung oder kulturelle Besonderheiten, denn viele Familien haben einen Migrationshintergrund. "Sinnvoll wäre, wenn einige Paten Russisch oder Türkisch sprechen könnten", so Hensel. In sechs Terminen werden die Rintelner Interessentenüber die gesetzlichen und psychologischen Grundlagen informiert und in Bewältigung familiärer Konflikte geschult. "Jeder kann Familienpate werden", so Albrecht Schäffer, hauptamtlicher Mitarbeiter beim Rintelner Kinderschutzbund. Man benötige Lebenserfahrung und soziale Kompetenz. "Bis jetzt wollen zehn Rintelner Familienpate werden", verkündet Schäffer. Heute findet die erste Schulung statt, an der weitere Interessierte teilnehmen können. Die Schulungen werden dienstags oder donnerstags von 9.30 bis 12 Uhr im Kinderschutzbund, Klosterstraße 18 a, abgehalten. Kontakt: Albrecht Schäffer, (05751) 403-220.

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