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Süntelbuchen-Reservat Thema einer Diplomarbeit / Ziel: Erhalt des Status quo sowie natürliche Verjüngung

Vom „Teufelsholz“ zum Objekt wissenschaftlicher Studien

Bad Münder (hzs). Bei klirrender Kälte und einem eisigen Nordwest, der die Felder des Deisterhangs hinaufpfeift, ist das verschneite Süntelbuchen-Reservat „Am Steinriepen“ oberhalb Nettelredes kein gastlicher Ort. Ein paar aufgescheuchte Rehe flüchten und totes Brombeergestrüpp verhakelt sich in den Hosenbeinen. Mittendrin die bizarren Silhouetten kahler Süntelbuchen. Und eben die hat die 25-jährige angehende Landschaftsplanerin Christine Hagedorn von der Leibniz-Universität Hannover zum Gegenstand ihrer Diplomarbeit gemacht.

Christine Hagedorn (2.v.r) besucht mit Mitgliedern der Heimatbund-Ortsgruppe das Süntelbuchen-Reservat.  Foto: hzs

Zurück im warmen Museum auf dem Wettbergschen Adelshof, berichtet Hagedorn bei Kaffee und Christstollen über die Ergebnisse ihrer Arbeit, die den Titel „Schutz und Entwicklung des Süntelbuchen-Reservats ’Am Steinriepen‘“ trägt. Von den 1984 auf dem 10 000 Quadratmeter großen Areal angepflanzten rund 1000 Süntelbuchen haben nur 91 überlebt. Derzeit ist der Bestand stabil. „Wir warten jetzt auf die erste Fruchtifizierung“, so Michael Meier von der Ortsgruppe des Heimatbundes, die das Reservat betreut.

Mit wissenschaftlicher Sorgfalt hat Hagedorn verschiedene „Vitalitätsindikatoren“ untersucht: Stammumfang, Blattgröße, Totholzanteil und Kronendichte ebenso erfasst wie Wildschäden, störenden Unterwuchs oder „Einkreuzungsdruck“. Was die Vermehrung angeht, so sind Süntelbuchen richtige Sensibelchen. „Die vererben rezessiv“, erklärt Hagedorn, „kreuzt man Süntelbuchen miteinander, so bekommt man nur zu 5 bis 15 Prozent wieder eine Süntelbuche.“ Kreuzt man sie gar mit einer normalen Rotbuche, so ist der Anteil der Süntelbuchen der nächsten Generation noch geringer.

Daraus folgt, dass die „normalen Roten im Reservat weg müssen, um den Einkreuzungsdruck zu verringern“. Weitere Maßnahmen zum Erhalt des Bestandes seien eine Reduzierung des starken Unterwuchses und die Entfernung schattenspendender Nachbarbäume.

Insgesamt sei die Vitalität des Süntelbuchen-Bestandes im Reservat allerdings gut, so die Studentin. Durch rechtzeitige Kontrollen und qualitätssichernde Maßnahmen sei aber die natürliche Verjüngung des Bestandes aus eigener Kraft anzustreben. Durch die isolierte Lage des von freien Ackerflächen umgebenen Reservates sei die Chance, dass Süntelbuchen mit normalen Buchen „fremdgehen“ gering, und auch Gefahren durch „Neophyten“ wie den Japanischen Riesenknöterich oder die Kanadische Goldrute seien zwar vorhanden aber gering.

Hagedorn hat für jeden Baum eine detaillierte Beschreibung, eine Art „Patientenkartei“ angelegt, in dem der gesundheitliche Zustand des betreffenden Baumes dokumentiert ist. Damit und mit den Ergebnissen von Hagedorns Arbeit, so Meier, könne man sich nun auf die Suche nach guten Süntelbuchen-Mutterbäumen machen, immer in der Hoffnung, dass „fagus sylvatica f. suntalensis“ mit ihrem markanten drehwüchsigen Stamm, dem charakteristischen Zickzackwuchs ihrer Äste und der flachen, glockenförmigen Krone sich irgendwann einmal hoffentlich aus eigener Kraft fortpflanzen wird.

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