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Das polnische AUKSO Kammerorchester begeistert beim zweiten Meisterkonzert der Saison

Vom Chaos zu Schönheit und Harmonie

Bad Münder (hzs). „Ob’s schön ist, das können Sie hinterher ja selber entscheiden. Interessant ist es allemal“, so Volker Schmidt-Gertenbach zum ersten Werk des jüngsten Meisterkonzertes, Krzysztof Pendereckis „Sinfonietta per archi“. An das 1992 entstandene Stück des wohl renommiertesten zeitgenössischen polnischen Komponisten sind sicherlich andere Maßstäbe anzulegen, als an Kompositionen, die den üblichen Hörgewohnheiten des Münderaner Publikums entsprechen.

„Von nun an ist’s aber nur noch schön“: Cornelia Unterthiner und Daniela Lahner waren die Solistinnen des Aben

Deshalb erhellte Schmidt-Gertenbachs durch Tonbeispiele verdeutlichte Einleitung das Werkverständnis ganz ungemein und ließ die Zuhörer im gut besuchten Martin-Schmidt-Konzertsaal Zeuge eines dramatischen tonalen Kampfes zwischen den Kräften des Chaos‘ und der Ordnung werden. Ein letztlich unentschieden hin und her wogender Streit, in dem herzzerreißende Akkorde aufkeimende zarte Harmoniepflänzchen immer wieder brachial zerstörten und auch die sich durchzuringen versuchende G-Moll Fuge als höchstmöglichen Ausdruck musikalischer Ordnung zerschmetterte. Am Ende kulminierten Chaos und Ordnung in einer einzigen gemeinsamen Sekunde und versinnbildlichten auf diese Weise in ihrer Vereinigung die Tragik menschlicher Wesenhaftigkeit.

Das Publikum war mehrheitlich beeindruckt. „Von nun an ist’s aber nur noch schön“, tröstete Schmidt-Gertenbach jene, die der moderne Auftakt irritiert hatte – und meinte damit nicht nur Domencio Cimarosas „Konzert für zwei Flöten G-Dur“, sondern ganz sicher auch die beiden überaus attraktiven Solistinnen Cornelia Unterthiner und Daniela Lahner. Augenfälliger hätte der Weg vom archaischen Kampf zwischen Chaos und Ordnung zu Schönheit und Harmonie kaum sein können.

Nach der Pause gesellte sich als ein weiteres Wesenselement noch jugendlicher Übermut hinzu. Die nahezu unerschöpfliche Unbefangenheit, die aus jeder Passage der vom zwölfjährigen Giacomo Rossini 1804 komponierten „Sonate Nr. 1 C-Dur für Streichorchester“ sprach, nahm die Konzertfreunde völlig gefangen. Schmidt-Gertenbach: „Ein zwölfjähriges Kind, das am Anfang des 19. Jahrhunderts ganze Komponistengenerationen geprägt hat.“

Trotz seiner Jugend meisterhaft, wie etwa das abschließende Allegro, mit einer wie schnell dahin gepfiffenen Melodie, die auch als populäre Operettenarie hätte dienen könnte, beginnend, die Basis eines kleinen Rondos bildete, im Wechselspiel mit ernsteren Passagen, in die auch einige geistreiche Abschnitte für die beiden Bässe eingefügt waren. Zum Abschluss Haydns „Sinfonie Nr. 52 c-moll“. Schmidt-Gertenbach: „Da sage ich nichts.“

Mit einer Chopin-Zugabe schloss sich dann der Kreis dieses weitgehend durch die polnische Musiker des AUKSO Kammerorchesters bestimmten Konzertabends.

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