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Heimatbund-Ortsgruppe und Waldjugend engagieren sich für Reservat bei Nettelrede

Voller Einsatz – für die Zukunft der Süntelbuche

Bad Münder (jhr). Krüppelbuche. Teufelsholz. Hexenholz. Der Volksmund meinte es in vergangenen Jahrhunderten nicht gut mit „Fagus sylvatica forma suntalensis“, der Süntelbuche. Ihre eigenwillige Schönheit mit ihrer besonderen Wuchsform stand in krassem Gegensatz zu den Interessen der Forstwirtschaft – mit Süntelbuchen ließ sich kein Geld verdienen. Der Bestand schrumpfte immer stärker, bis vor mehr als 20 Jahren ein ehrgeiziges Projekt gestartet wurde: Bei Nettelrede entstand ein Süntelbuchen-Reservat.

Jeder Baum sorgsam dokumentiert: Friedrich Kunrich und andere He

In der Abgeschiedenheit eines eingezäunten Bereiches wurden dort rund 1000 Setzlinge in die Erde gebracht. Jahrelang waren die Mitglieder des Heimatbundes, die den Bereich betreuten, sehr zurückhaltend mit der Erwähnung des Reservates, zu groß die Gefahr, dass die seltenen Bäume ausgegraben und gestohlen werden konnten. Seit einigen Jahren ist diese Zurückhaltung jedoch gewichen. „Die Süntelbuchen sind jetzt so groß, dass sie nicht mehr ausgegraben werden können“, erklärt Michael Meier. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern der Heimatbunds-Ortsgruppe und der Waldjugend Bad Münder arbeitete Meier gestern im Reservat, um den 95 verbliebenen Süntelbuchen möglichst optimale Wuchsbedingungen zu schaffen – beispielsweise für die kleine Süntelbuche mit der Nummer 192. Dicke Brombeerranken haben sich im dünnen Geäst verwoben, ziehen die Äste nach unten. Üppiger Brennnesselwuchs würde dem Baum in wenigen Wochen zusätzlich Licht rauben, weshalb die Helfer die Brombeerranken und dichten Grasbewuchs entfernen und in der Nachbarschaft der Süntelbuche eine Kornelkirsche pflanzen, die in den kommenden Jahren der Süntelbuche Schatten spenden soll. Rund 180 Bäume brachten die Helfer gestern bei anhaltendem Nieselregen in die Erde, neben Kornelkirschen auch Feldahorn, Wildkirsche und Wildapfel. Fichten, die den Süntelbuchen zu viel Licht nehmen, wurden gefällt.

Beim Heimatbund koordiniert Friedrich Kunrich die Betreuung des Reservates. Er betont die Einmaligkeit der Fläche bei Nettelrede. Im vergangenen Jahr wurde die Kartierung des Bestandes abgeschlossen, das erstelle Kataster soll die Beobachtung des Bestandes erleichtern helfen und auch als Vorbereitung weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen durch Mitarbeiter der Universität Göttingen dienen.

Als Vorreiter ihrer Arbeit für die Süntelbuchen sehen die Heimatbundsmitglieder die ehemaligen Stadtbaumeister Gregor Kuhn und Gottfried Kastl sowie Udo Mierau aus Eimbeckhausen, der das Reservat vor mehr als 20 Jahren anlegte. „Ohne ihre Arbeit wären wir heute längst nicht so weit“, sagt Meier.

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