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Heino rockt vor 700 Fans das Capitol – Caramba, was für ein Konzert

Volkslieder im Hardrock-Gewand

Hannover. „Ich darf doch Freunde zu euch sagen?“ – ja, durfte er, denn alle, die vorgestern zum Konzert des „Ehrenkonditormeisters der Nation“ pilgerten, stehen voll und ganz auf die „neue“ Mucke des blonden Sängers mit der markanten Sonnenbrille. „Schwarz blüht der Enzian – 50 Jahre Heino“ lautet sein Tourmotto, das mit dem Zusatz „verspottet, belächelt, beschimpft – Kult“ dennoch einen faden Beigeschmack erhält. Dass der „blaue Enzian“ jetzt plötzlich „schwarz blüht“ und auch der Sound auf CD und der Bühne etwas härter klingt, nehmen ihm ohne Zweifel die etwas älteren Fans übel. Aber der Sänger hat auch neue Fans dazugewonnen – und die können locker seine Enkelkinder sein. So präsentiert sich dem „Abtrünnigen“ ein buntes generationsübergreifendes Publikum, das ihn euphorisch abfeiert.

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Verspottet hat ihn an diesem Abend keiner, beschimpft auch nicht – belächelt schon, waren doch einige nur gekommen, um die viel zitierte Bühnenshow des 76-jährigen Kultsängers einmal livehaftig zu erleben.

Inzwischen kennen ihn gefühlte 99 Prozent der deutschen Bevölkerung. Dass er im Laufe seiner überaus erfolgreichen Karriere nicht immer von fairen Parodien eingeholt wurde, stört den gebürtigen Düsseldorfer nicht sonderlich. „Ich zeichne in meinen Liedern die heile Welt, weil ich eine heile Welt haben will“, so Heino in einem Interview.

„Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Hose und ständig dieser Lärm“, dröhnt es aus den Boxen, als Heino den Opener „Junge“, eine Coverversion der Ärzte, anstimmt. Drei Background-Vocals und eine exzellente Band stärken dabei der Volkslied-Ikone musikalisch den Rücken. „Schön, dass ihr gekommen seid“, begrüßt der Sangesbarde nach dem Grönemeyer-Cover „Was soll das“ seine Fans. „Ihr fragt euch sicher auch alle: „Was soll das, wie läuft der denn heute wieder rum“, flachst der „Hans-Georg“.

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  • Fast majestätisch präsentiert Heino seine Songs.

Nachdem sich der Enzian einer Verfärbung unterziehen musste, geht es mit „La Paloma“, und „Wir lagen vor Madagaskar“ in die nächste Runde. „Heino, Heino“-Rufe und tosender Beifall, nachdem der Sänger seine „Rosamunde“ ins Rennen geschickt hat. Ja, die Jungs in den Wacken-T-Shirts rocken mächtig ab – einer von ihnen macht sogar den Headbanger.

Statt eines roten Jackets läuft Heino zunächst im Nieten besetzten langen Ledermantel auf, später dann im LED-Sakko – Caramba, was für ein cooles Outfit. Cool war auch die Show, teilweise etwas grenzwertig – aber so ist er eben jetzt, unser Heino. Ohne Zweifel, seinen ohnehin schon legendären Kultstatus hat der sympathische Rock-Opi mit seinem erfolgreichen musikalischen Ausflug ins Land des Hardrock weiter gefestigt.

„Kommt alle in meinen Wigwam“ – Heino hätte am liebsten jeden einzelnen umarmt.

Text und Konzertfotos: Lars Andersen

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