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Vor Gericht: Opfer hätte tot sein könne

Viele Tritte gegen den Kopf - 18 Monate Haft

Bückeburg (ly). Das Opfer hätte tot sein können. Vier- oder fünfmal hat ein Bückeburger (24) einen anderen Mann gegen den Kopf getreten, de n er zuvor auf dem Dr.-Witte-Platz niedergeschlagen hatte. Benommen oder sogar bewusstlos lag der Unterlegene am Boden. Beide Männer kannten sich bis dahin nicht.

Mehr als anderthalb Jahre nach der brutalen Tat hat das Bückeburger Amtsgericht den Schläger jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung zu 18 Monaten Haft verurteilt. Der Täter hatte zwischenzeitlich "Richard Kimble gespielt", so Verteidigerin Cornelia Segler. Soll heißen: Er war auf der Flucht. Über das Motiv lassen sich nur Vermutungen anstellen. Der Angeklagte behauptet, er sei von dem späteren Opfer, einem 29-Jährigen aus Obernkirchen, angesprochen worden. Vielleicht fühlte er sich genervt. Eine Rechtfertigung für Schläge und Tritte kann dies natürlich nicht sein. "Es gibt nichts Höheres als die Unverletzlichkeit des Körpers anderer Menschen", versuchte Richter Armin Böhm dem 24-Jährigen klar zu machen. Ob der Bückeburger sich dies zu Herzen nimmt, darf bezweifelt werden. Allein wegen Körperverletzung ist der noch recht junge Mann bereits viermal vorbestraft. Wie gnadenlos er vorgeht, haben an jenem Abend im April 2007 gegen 22.30 Uhr zwei Augenzeugen beobachtet. Ein Rintelner hat gesehen, dass der Arbeitslose "vier- bis fünfmal mit Schwung ausgeholt und voll reingetreten" habe. "Der Geschädigte bewegte sich nicht mehr und war der Situation hilflos ausgeliefert", so Staatsanwalt Frank Hirt. Juristen nennen dies eine "das Leben gefährdende Behandlung". Die Polizei war von einer Bekannten des Zeugen benachrichtigt worden. "Alle anderen sind vorbei gegangen", berichtete sie. Dabei kann in solchen Fällen jede Sekunde zählen. "Gewalt gegen den Kopf ist potenziell lebensgefährlich", erklärte ein Rechtsmediziner. Blutungen könnten zur Atemlähmung führen. Sitzen muss der Bückeburger übrigens länger als anderthalb Jahre, wenn es bei der Strafe bleibt. Zurzeit verbüßt er rund zehn Monate Gefängnis aus früheren Verurteilungen. Zum Tatzeitpunkt hatte er zwischen 1,7 und knapp zwei Promille Alkohol im Blut, weshalb Richter Böhm ihm verminderte Schuldfähigkeit zubilligte. Das Opfer konnte zur Aufklärung der Tat so gut wie nichts beitragen und auch den Schläger nicht identifizieren. "Ich habe nur schemenhafte Erinnerungen an eine körperliche Auseinandersetzung", berichtete der Obernkirchener, der durch die Verletzungen bis heute nicht richtig hören kann. "Dann weiß ich wieder, dass mich zwei Polizeibeamte aufgelesen haben." Der Angeklagte gab zu, den 29-Jährigen zweimal ins Gesicht geschlagen zu haben sowie ein weiteres Mal, als dieser bereits am Boden lag. "Aber getreten habe ich ihn nicht." Gegen das Urteil ist noch Berufung möglich.

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