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Arbeitskreis gegen Ausländerfeindlichkeit feiert 20-jähriges Bestehen / Talk-Runden über Integration

„Viele Leute sehen nur mein Kopftuch“

Bad Münder (lil). Dass sich der Arbeitskreis gegen Ausländerfeindlichkeit zu einer echten Bürgerinitiative Bad Münders entwickelt hat, zeigte sich während der Veranstaltung zu dessen 20-jährigem Bestehen im Foyer des Martin-Schmidt-Konzertsaals. Rund 80 Gäste – darunter Vertreter aller politischen Fraktionen, der Kirchengemeinden und der Verwaltung – demonstrierten mit ihrem Kommen, dass ihnen das vielfältige Thema Integration am Herzen liegt.

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Petra Joumaah nutze die Gelegenheit und bedankte sich bei allen, die sich für den Arbeitskreis eingesetzt hatten. Als besonderen Gast begrüßte sie Dr. Feyzullah Gökdemir, Integrationsbeauftragter im Landkreis Hameln-Pyrmont. „Ich freue mich, einen Kooperationspartner wie euch gewonnen zu haben“, äußerte Gökdemir in Richtung Arbeitskreis. Er betonte, dass Integration bereits in den Köpfen der Mütter beginne – nicht erst im Kindergarten.

In drei Talk-Runden thematisierten Weggefährten wie Bärbel Molitor, Ulrike Hoffmann-Bürrig und Ulrike Wegener die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Arbeitskreises. Als Moderator fungierte Dietmar Adler. Sozialarbeiter Reiner Wollnik vom Hamelner Arbeitskreis Ausländische Kinder (AKAK) berichtete, dass er für seine Betreuung von Migranten vor rund 20 Jahren noch „Prügel eingesteckt“ habe. Wollnik: „Es hieß: ‚Die sollen ja gar nicht in Deutschland bleiben.‘“ Im Bereich Integration habe sich einiges getan, sagte er. „Integration ist heute kein Zufallsprodukt mehr.“

Als „Mann der ersten Stunde“ blickte Uwe Nötzel auf den Beginn des Arbeitskreises zurück. „Als es keine Reaktion in der Bevölkerung auf die Übergriffe auf Migranten gab, war ich völlig fassungslos“, erinnerte er sich. „Ich habe Dietmar Adler angerufen, denn das konnten wir nicht mit ansehen.“ Bereits als 15-Jähriger hatte Nötzel gemeinsam mit Hans-Ulrich Siegmund im Jugendkreis versucht, ausländischen Mitbürgern Sprachunterricht zu geben.

Eingeladen war auch Pfarrer Alfons Berger, der von 1983 bis 1999 in der Gemeinde St. Johannes Baptist Bad Münder predigte. Er skizzierte seine Erfahrungen mit Integration, hatte er doch ab 1989 als Diözesanbeauftragter für die Seelsorge der Katholiken anderer Muttersprachen gewirkt.

Ein Grußwort von Hermann Wessling überbrachte Christoph Schieb, der mit der Sozialraum AG eng mit dem Arbeitskreis gegen Ausländerfeindlichkeit zusammenarbeitet.

Besonders gespannt hörten die Gäste der 33-jährigen Wafa Ibrahim zu – denn sie beleuchtete das Thema Integration aus Sicht einer Migrantin. „Ich bin innen deutsch“, sagte sie. „Das Kopftuch trage

ich, weil ich gläubige Muslima bin.“ Sie bedauere, dass viele Leute nur ihr Kopftuch und nicht den Menschen darunter sähen.

Nach den Gesprächsrunden ließen sich die Gäste die internatonalen Köstlichkeiten, die Molitors Sprachschülerinnen zubereitet hatten, schmecken.

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