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Politiker: Offizielle Audienz "zu teuer"

Veteranen aus England: Stadt lehnt Empfang ab

Bad Nenndorf (fox). Für Ken Moore aus der englischen Grafschaft Norfolk und drei seiner einstigen Kameraden soll es eine Reise in die Vergangenheit werden. Der ehemalige Gefreite des "King's Regiments" der britischen Armee will für einige Tage nach Bad Nenndorf zurückkehren. An den Ort, in dem er von 1946 bis 1948 lebte, die Alliierten bei der Befreiung der Region von den Nationalsozialisten unterstützte und zudem zahlreiche Freunde fand. Einen Empfang soll es seitens der Stadt nicht geben - diese Entscheidung ist im Verwaltungsausschuss (VA) gefallen. Eine offizielle Audienz würde zu teuer, heißt es nach außen. Hinter den Kulissen befürchten jedoch viele, dass die Thematik um das britische Internierungslager im Wincklerbad wieder aufkochen könnte.

Zahlreiche Türen befreundeter Familien stehen den vier hochbetagten Briten in Bad Nenndorf offen, wenn sie am Pfingstwochenende anreisen. Am Rathaus wird jedoch die Kette vorgehängt. Grund dafür seien die Kosten, die für einen gebührenden Empfang anfallen würden, wie Stadtdirektor Bernd Reese sagt. Es habe "Forderungen" der Gäste gegeben, wonach es unter anderem ein Konzert hätte geben sollen. Er habe sich im Telefonat mit Moore verständigt, dass dies so nicht machbar sei. Möglicherweise handelt es sich dabei um ein Missverständnis, das durch die häufig in einem Mix aus gebrochenem Deutsch und Englisch gehaltene Briefkorrespondenz Moores resultieren könnte. Im Pressegespräch sagte Moore (83), es tue ihm leid, dass seine Anregungen als Forderung herübergekommen sind. Mit dem "Konzert" war das Anspielen alter Noten gemeint, die sein einstiger Kamerad Harry Henshaw (82) als Klavierschüler des damaligen Kurkapellmeisters Berger erhalten hatte. Diese lägen ihm vor. Der Musiker György Kovács könnte diese spielen, meint Moore. Kovács würde dies auch kostenlos tun, sofern er "grünes Licht" seiner Vertragspartnerin Silke Busche (KurT) bekäme, sagte der Musiker auf Anfrage. "Ich habe nie einen hochoffiziellen Empfang erwartet", erklärt Moore. "Nur eine höfliche Tasse Tee und einen kleinen Plausch." Vor rund zehn Jahren, als Moore schon einmal mit Freunden in die Kurstadt reiste, hatten ihn die damalige Bürgermeisterin Christine Heringslack (CDU) und deren Stellvertreter Werner Tatge begrüßt. Sie gestalteten einen kleinen Sektempfang im Rathaus und unterhielten sich mit den Besuchern. "Die Stimmung war sehr gut", erinnert sich Heringslack. "Die einstigen Besatzer sind damals als Freunde gekommen, so sehe ich diese auch heute noch", sagt die Politikerin - obwohl es bereits damals im Nachhinein politische Dissonanzen auf ihren Empfang hin gegeben hatte. Die heutige Bürgermeisterin, Gudrun Olk, sagte auf Anfrage, sie sei zu Pfingsten im Urlaub und könne die Engländer nicht begrüßen. Dass die Besucher Ron Crann, Ken Moore, Harry Henshaw und David March als Besatzer von 1946 bis 1948 nichts mit den folternden Truppen im Wincklerbad zu tun gehabt haben, weißOlk zwar. Sie nennt es jedoch ein "schwieriges Thema", das "in der Öffentlichkeit schlecht darzustellen ist". Die CDU-Fraktionsvorsitzende Ellen Hültenschmidt meint mit Blick auf die Besatzungszeit, "die Sache" gehöre "der Vergangenheit an und sollte dort auch angesiedelt werden". "Die haben sich hier nicht mit Ruhm bekleckert." Ähnlich sieht es Volker Busse (SPD). Er trage die VA-Entscheidung mit. Für "unnötig" hält WGN-Sprecher Frank Steen einen Empfang. Jetzt ist der Historische Arbeitskreis mit Richard Jung und Ingrid Groth, zu der Moore ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, eingesprungen und will eine Stadtführung mit den Briten unternehmen. Zudem will Jung eine diplomatische Lösung für die Situation erreichen.

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