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Eifersucht als Motiv? / Auch Staatsanwalt sieht zu viele Widersprüche

Versuchte Vergewaltigung ist offenbar erfunden - Freispruch

Bückeburg (ly). Kann eine Frau mit einem Mann, der sie fast vergewaltigt hätte, anschließend noch fröhlich Karaoke singen? Zumindest in einem Fall aus Bückeburg, der jetzt vor dem Schöffengericht zu Ende gegangen ist, heißt die Antwort nein. Folglich hat Richter Dr. Dirk von Behren im Zweifel für den Angeklagten entschieden und einen 27-Jährigen aus Seggebruch vom Vorwurf der versuchten Vergewaltigung freigesprochen.

Bis zuletzt hatte eine Bekannte des Mannes behauptet, dieser habe sie Ende 2005 während einer Party in Bückeburg auf der Toilette festgehalten und massiv bedrängt (wir berichteten). Erst nachdem die Frau wild um sich geschlagen habe, so hieß es in der Anklageschrift sinngemäß weiter, sei der Stadthägerin (25) die Flucht aus der Toilette gelungen. Nach der Beweisaufnahme rückte nun auch Staatsanwalt Frank Hirt von den ursprünglichen Vorwürfen ab und plädierte auf Freispruch. Es gebe zu viele Widersprüche, sagte Hirt und fasste sich kurz. "Wir können nicht feststellen, dass der Angeklagte die Tat begangen hat." Verteidiger Oliver Theiß meinte, die Frau habe "Lügen in die Welt gesetzt". Zuvor hatten mehrere Partygäste zu Protokoll gegeben, dass die 25-Jährige nach dem fraglichen Zeitpunkt noch stundenlang mitgefeiert habe, nämlich bis in die frühen Morgenstunden. Die Gastgeberin beschrieb das Verhalten der Studentin als ausgelassen. Zusammen mit dem Angeklagten habe diese Karaoke gesungen, ein Videospiel für die Play-Station. "So verhält sich niemand, der traumatisiert worden ist", fasste Richter von Behren zusammen. Über das Motiv der 25-jährigen Stadthägerin, einen Bekannten zu Unrecht eines Sexualdeliktes zu beschuldigen, lässt sich allerdings nur spekulieren. Eifersucht erscheint denkbar. In der Urteilsbegründung war von einem einmaligen sexuellen Kontakt die Rede, einem so genannten One-Night-Stand, den der Seggebrucher und die Frau etwa zwei Wochen vor der Party gehabt haben sollen. Vielleicht hatte sich die Stadthägerin verliebt. Vielleicht wollte sie den Mann und dessen Freundin mit einer offenbar erfundenen Geschichte auseinander bringen. Vielleicht.

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