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Versicherungen versuchen oft Geld zu sparen – auf Kosten der Geschädigten

Verkehrsunfall: Nicht einmal jeder Zweite kennt seine Rechte

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Autor:

Thomas Schröder,Fachanwalt für Verkehrsrechtin Bad Münder

56 Prozent der befragten Autofahrer wissen nicht, welche Rechte ihnen nach einem schuldlosen Crash zustehen. Dies geht aus einer aktuellen Studie hervor, erstellt im Auftrag des Bundesverbands der Autovermieter Deutschlands e.V. und der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Den Vorteil hiervon haben die Haftpflichtversicherer. Sie sparen durch Kürzungen berechtigter Ansprüche der Geschädigten jährlich dreistellige Millionenbeträge.

Vielen Betroffenen ist nicht bewusst, dass die Versicherungen nicht verpflichtet sind, von sich aus auf mögliche Schadenspositionen hinzuweisen. Hier gilt die alte Regel: Wer aus rechtlicher Unkenntnis nichts verlangt, bekommt auch nichts.

Der Geschädigte hat insbesondere das Recht, einen unabhängigen Sachverständigen seiner Wahl mit der Feststellung des Schadens zu beauftragen. Die Kosten für dieses Gutachten muss die Versicherung des Gegners übernehmen. Nur dann, wenn erkennbar war, dass es sich allein um einen Bagatellschaden gehandelt hat, werden die Kosten des Gutachtens nicht ersetzt. In solchen Fällen genügt ein Kostenvoranschlag, möglichst mit Fotos des Unfallschadens. Der Sachverständige geht in seinem Gutachten auch auf eine Wertminderung des reparierten Fahrzeugs, bei Totalschaden auf den Wiederbeschaffungs- und den Restwert und auf die voraussichtliche Dauer für Reparatur oder Ersatzbeschaffung ein.

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  • Rechtsanwalt Thomas Schröder

Der Geschädigte kann selbst entscheiden, ob er seinen Schaden ganz, teilweise oder gar nicht reparieren lässt. Manchmal bietet es sich an, mit der Beule weiter zu fahren und den Schaden ohne Rechnung allein auf Grundlage des Gutachtens oder des Kostenvoranschlages abzurechnen. In diesem Fall wird lediglich die Mehrwertsteuer abgezogen. Soll der Schaden repariert werden, entscheidet der Geschädigte selbst über die Werkstatt seines Vertrauens. Auf „Partnerwerkstätten“ der Versicherer muss er sich nicht verweisen lassen.

Neben den eigentlichen Reparaturkosten gibt es eine Vielzahl oft unbekannter oder vergessener Schadenspositionen:

• Ist das Fahrzeug nicht mehr betriebs- und verkehrssicher und nimmt sich der Geschädigte keinen Leihwagen, steht ihm abhängig von Fahrzeugtyp und -alter eine Entschädigung für Nutzungsausfall zu. Vorsicht ist bei der Anmietung eines Leihwagens geboten. Hier werden oft die Kosten nicht in voller Höhe ersetzt.

• Ersatz des Kindersitzes sowie für beschädigte Gegenstände im Fahrzeug

• 25 Euro pauschal für unfallbedingte Kosten

• bei Totalschaden: Restkraftstoff im Unfallwagen, Anmeldekosten und Schilder für das neue Fahrzeug

• Abschleppkosten, Standgebühren und anderes mehr.

Bei einem unverschuldeten Unfall muss die Versicherung auch die Anwaltskosten in voller Höhe übernehmen. Erfahrungsgemäß erhalten Geschädigte, die durch einen Verkehrsanwalt vertreten werden, einen deutlich höheren Schadensersatz, als wenn sie die Regulierung selbst in die Hand nehmen oder dies ihrer Werkstatt überlassen. Ein Anwalt sollte deshalb nicht erst dann eingeschaltet werden, wenn es wegen einzelner Kürzungen Streit gibt, sondern gleich von Anfang an. Der Geschädigte muss sich dann weiter um nichts kümmern.

Dies gilt erst recht dann, wenn Fahrzeuginsassen durch den Unfall verletzt werden. Wer die Höhe des ihm zustehenden Schmerzensgeldes der gegnerischen Versicherung überlasst, darf sich über das Ergebnis nicht wundern. Bei Personenschäden bestehen zudem zusätzliche Ansprüche neben dem Schmerzensgeld, die oft den Betroffenen nicht bekannt sind und auf die sie von der Versicherung auch nicht hingewiesen werden. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Zuzahlungen für Medikamente und Therapien, Fahrtkosten, Verdienstausfall oder den Ausfall der Arbeitskraft im Haushalt.

Der Verkehrsanwalt hilft mit seiner besonderen Fachkunde, etwa auch bei einem Unfall mit einem ausländischen Fahrzeug, bei Unfällen von Fußgängern oder Radfahrern oder wenn der Unfallverursacher wegen Unfallflucht nicht ermittelt werden kann.

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