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Flegesser Tischler Roland Kühn wartet weiter darauf, seine 2008 errichtete Halle nutzen zu können

Vergleich ausgeschlagen, Streit geht weiter

Flegessen (st). Der Flegesser Tischler Roland Kühn versteht die Welt nicht mehr. Seit über zwei Jahren streitet er sich vor Gericht mit der Versicherung eines Zimmermanns, der 2008 beim Bau von Kühns neuer Produktionshalle den frischen Estrich großflächig beschädigt hatte. Seitdem steht die Halle leer, Kühn ist nach eigenen Angaben ein Schaden in Höhe von insgesamt rund 70 000 Euro entstanden. Vor dem Landgericht Hannover ist dem Flegesser gestern ein Vergleich angeboten worden. „Die Versicherung will mir sage und schreibe 6000 Euro geben.“ Eine für den Tischler indiskutable Summe – er schlug das Angebot aus.


„Es handelt sich hier um 200 Quadratmeter Fußboden. Ich habe mir drei Angebote eingeholt, die alle in der Größenordnung um die 20 000 Euro allein für die Behebung der am Boden entstandenen Schäden liegen“, sagt Kühn – mehr als das Dreifache der angebotenen Summe. „Von den Verlusten durch entgangene Mieteinnahmen und Aufträge war gestern gar nicht mehr die Rede.“

Und auch die von Kühn heiß ersehnte Freigabe zur Sanierung der Halle sei ihm nur eingeschränkt erteilt worden. Denn seit der Rechtsstreit läuft, darf Kühn an der Halle nichts verändern, bis ein abschließendes Gutachten vorliegt. „Ich darf jetzt zwar den Boden sanieren, werde das aber – wenn überhaupt – nur unter Einbeziehung eines Gutachters tun.“ Der soll bestätigen, dass Kühn den Boden nicht hochwertiger saniert, als er ursprünglich war. Und außerdem bestätigen, dass eine Sanierung nicht für 6000 Euro zu kriegen ist – die Versicherung wollte laut Kühn ursprünglich nur 4000 Euro anbieten.

Doch bevor der Flegesser nach rund zweieinhalb Jahren die Arbeiten an der Halle wieder aufnimmt, will er zunächst den Schriftsatz abwarten – „der dürfte in gut einer Woche da sein. Danach werde ich entscheiden, wie ich weiter vorgehe.“ Zum gestrigen Gerichtstermin war Kühn mit seinem gesamten Team angereist – er selbst und fünf Mitarbeiter. „Das ist mittlerweile ein existenzielles Problem. So ein Streit kostet einen kleinen Mann wie mich richtig Geld“, sagt Kühn. Einen Mitarbeiter hat er im Laufe der vergangenen zwei Jahre bereits entlassen müssen – es sollen nicht noch mehr werden.

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