weather-image
12°

Vergessen und verfallen - die Bildsäule aus dem Hochzeitshaus

Bildsäule

Hameln (kar). Wie aufgebahrt liegt er da: Moos bedeckt Teile seines halbnackten Körpers, totes Laub hat sich in der Vertiefung am Hals gesammelt, die Augen scheinen ins Leere zu starren, die Unterschenkel der Beine fehlen. Ein erschütternder Anblick. Der umso trauriger stimmt, wenn man weiß, dass es sich um Teile der Skulptur handelt, die einst als Bildsäule im Hochzeitshaus den Blickfang am Treppenaufgang bildete. Damals. Bevor die „Erlebniswelt Renaissance“ in das historische Gebäude einzog. Und scheiterte.

Jetzt verfällt die Sandstein-Skulptur des Künstlers Hans Walther auf dem Friedhof Wehl.

 

Dem Hamelner Kunsthistoriker Dr. Martin Hellmold hat die aus dem Hochzeitshaus verschwundene Skulptur, die 1931 als tragende Säule neben einem Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen städtischen Angestellten installiert worden war, keine Ruhe gelassen. Er forschte nach und fand heraus: Die Bildsäule liegt auf dem Friedhof Wehl, „zwischengelagert“ unter freiem Himmel im sogenannten Erdmagazin. „Sie ist in einzelne Teile zerbrochen und in einem traurigen Zustand“, stellt Hellmold fest.

Wie es dazu kommen konnte? Stadtsprecher Thomas Wahmes hat keine Erklärung dafür: „Als Eigentümer des Hochzeitshauses hatte die Stadt die Umbauarbeiten in die Hände der Erlebniswelt gelegt“, sagt er. Hat man sich denn vorher keine Gedanken über das Inventar gemacht? „Das hätte man machen müssen, aber offenbar nicht ausreichend getan“, räumt Wahmes ein: „Sollte die Säule restauriert werden, würden wir alles daransetzen, einen Platz zu finden, der der Bedeutung von Skulptur und Bildhauer gerecht wird.“ Von Hans Walther stammt auch das bekannte Rattenfänger-Relief am Eingang des Bürgergartens. Hellmold hält die Säule für restaurierbar. Wenn sich ein Mäzen oder ein Personenkreis von Gönnern fände, die die Kosten übernehmen würden.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare