weather-image
19°
Zweieinhalb Jahre Haft für Kaninchenzüchter

Vergangenheit holt Vergewaltiger ein

Nienstädt/Bückeburg (ly). Sechs Jahre nach der Vergewaltigung eines zehnjährigen Mädchens ist ein Kaninchenzüchter (61) aus der Samtgemeinde Nienstädt gestern schuldig gesprochen worden. Er muss zweieinhalb Jahre Haft verbüßen, so das Urteil des Bückeburger Jugendschöffengerichts. Der Schuldspruch lautet auf Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerem sexuellen Missbrauch eines Kindes und vorsätzliche Körperverletzung.

Die Richter halten es für erwiesen, dass der 61-Jährige seine junge Besucherin, die sich an jenem Tag in den Sommerferien kleine Kaninchen ansehen wollte, aus dem Stall in seine Wohnung gezerrt und die Schülerin auf dem Sofa entjungfert hat. "Der Angeklagte hat das Vertrauen eines zehnjährigen Kindes schamlos ausgenutzt", sagte Richter Dirk von Behren. "Er brachte das Opfer in eine ausweglose Situation, um die Tat brutal und ohne Rücksicht auf Verluste durchzuführen." Bis heute sei die junge Frau, mittlerweile 16 Jahre alt, hochgradig traumatisiert. "Sie wird noch lange, lange Zeit brauchen, um die Tat zu verarbeiten und ein normales Verhältnis zu Männern aufzubauen'', erklärte von Behren. "Hoffentlich schafft sie es überhaupt.'' Die belastende Aussage des Opfers nannte der Richter "uneingeschränkt glaubwürdig". Ein Gutachten darüber sei "nach allen Regeln der Kunst erstattet" worden. Eine Tendenz, den Angeklagten zu Unrecht zu belasten, erkannte von Behren ebenfalls nicht. Im Gegenteil: In einem "Geheimbuch", dem die Zehnjährige ihre Gefühle anvertraut hatte, gab diese sich selbst die Schuld, sprach von dem "netten Onkel", einem "Freund". Erst vier Jahre nach der Tat erzählte das Kind einer Reitlehrerin die Geschichte. Der Nienstädter ist bisher sonst nicht einschlägig in Erscheinung getreten, weshalb das Gericht in ihm "keinen Sexualstraftäter im klassischen Sinne" sieht. Möglicherweise war die Tat ein Einzelfall. Unter dem Druck der drohenden Strafe hatte der Angeklagte "nach einem Strohhalm gegriffen" (von Behren)und sich selbst als impotent bezeichnet. Für diese Behauptung gab es jedoch weder ein Attest noch Zeugenaussagen. Dem Mädchen hatte der Mann das Motiv unterstellt, ihn aus Wut über einen "Karnickelmord" der Vergewaltigung zu bezichtigen. Das Gefängnis bleibt dem Nienstädter zunächst erspart, weil die Entscheidung noch nicht rechtskräftig ist. Voraussichtlich kommt es demnächst in zweiter Instanz zu einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht. Im Dorf hat sich die Sache zwischenzeitlich herumgesprochen. Ungeachtet der Vorwürfe gingen Kinder, die mit Kaninchen spielen wollten, bei dem Angeklagten weiter ein und aus, hieß es vor Gericht. Mit ihrer Entscheidung blieben die Richter ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Zugunsten des Angeklagten sprach, dass die Tat sechs Jahre zurückliegt und der Nienstädter nicht vorbestraft ist. Verteidiger Oliver Theiß hatte auf Freispruch plädiert. "Durch den Prozess ist mein Mandant bestraft genug", sagte Theiß. "Sein bisheriges Leben kann er nicht mehr weiterführen."

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare