weather-image
18°
Vor einem Jahr wurde Markus Kelterbaums Auto zerkratzt / Bis heute kein Geld

Vandalismusopfer klagt: "Mir als Geschädigtem sind Hände gebunden"

Bückeburg (rc). Markus Kelterbaum ist immer noch stinksauer. Dabei ist es fast ein Jahr her, dass zwei Jugendliche am 27. Juli 2005 eine Spur der Verwüstung durch die Bückeburger Oststadt zogen und insgesamt 40 Autos zerkratzen. Der Schaden ging in die Zehntausende, drei Tage später konnten die beiden Jugendlichen, ein 14- und ein 17-Jähriger, gefasst werden. Ende Februar dieses Jahres wurden die beiden vom Bückeburger Amtsgericht zu 60, beziehungsweise 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Richter Dirk von Behren schrieb den beiden für "einen der größten Fälle von Vandalismus" ins Stammbuch, dass er für die Taten nicht das geringste Verständnis habe und fügte hinzu: "Den Schaden werden sie irgendwann bezahlen müssen."

Vandalismusopfer Markus Kelterbaum: Was nützt der schönste Volls

Dieses "irgendwann" dauert bei Markus Kelterbaum inzwischen ein Jahr. Denn er war einer der Geschädigten: Zick-Zack-Kratzer "zieren" bis heute das Dach seines damals in der Königsberger Straße abgestellten Wagens. Den Schaden bezifferte ein Sachverständiger auf 840 Euro plus Nebenkosten für Ersatzfahrzeug und weitere Auslagen. Trotz aller Bemühungen und dem Einschalten eines Rechtsanwaltes hat der Geschädigte bis heute keinen Cent gesehen - weder von den Jugendlichen, noch von deren Eltern. Mahnbescheide wurden erlassen, Vollstreckungsbescheide erwirkt. Alles ohne Erfolg: Beide haben keine Arbeit, einer der beiden Jugendlichen beantragte Privatinsolvenz, beim anderen ist aufgrund einer Krankheit auf absehbare Zeit auch nichts zu holen, so der Kenntnisstand des Berufssoldaten. Auch von beiden Elternpaaren - beide Jugendliche waren zum Tatzeitpunkt noch keine 18 Jahre alt - war - und ist - nichts zu holen. Beide zählen zu den sozial schwächeren Familien, sind auf Hartz-IV angewiesen, hatten noch nicht einmal eine Haftpflichtversicherung für ihre Sprösslinge abgeschlossen, schildert der Geschädigte seine Recherchen und die seines Anwalts. Und: "Selbst wenn eine Haftpflicht abgeschlossen worden wäre, wäre sie nicht eingesprungen, da die Sachbeschädigungen vorsätzlich begangen wurden. Da zahlen die nicht." Auch die Inanspruchnahme seiner Vollkasko-Versicherung lohnt sich nach Angaben Kelterbaums nicht: Erst ab einem Schaden von 1600 Euro würde die Höherstufung den Schaden ausgleichen. Das frustierte Fazit: "Mir als Geschädigtem sind die Hände gebunden und ich muss mich noch auslachen lassen, weil ich nicht umhin komme, den Schaden auf eigene Kosten reparieren zu lassen." Damit ihm, aber auch anderen, so etwas nicht noch einmal passiert, fordert Markus Kelterbaum die Politik zum Handeln und zumÄndern von Gesetzen auf. "Warum ist es nicht möglich, dass Jugendliche von Gerichten dazu verdonnert werden, ihren angerichteten Schaden abzuarbeiten?" Gemeinnützige Arbeit sei zwar schön und gut, helfe ihm aber nicht. Er hätte genug Arbeit bei sich gefunden, dass die beiden den Schaden bei ihm hätten wieder gut machen können. Was zudem bleibe, sei die "Schuld von Regierungen". Gesetze würden solche Täter schützen. Er habe sich von seinem Rechtsanwalt sagen lassen müssen, dass "der, der ein bisschen Geld hat, der Gelackmeierte und der Böse ist". In der heutigen Zeit mit immer mehr Menschen und immer komplexeren Sachzusammenhängen seien dynamische Gesetze gefordert. Es würden Lücken in der Gesetzgebung klaffen, die geschlossen werden müssten. "Derzeit verpuffen viele Regelungen im nichts." Kelterbaums Appell: "Ich hoffe, dass die Politiker durch meinen Fall geweckt werden und Gesetzeändern. Ich bin sicherlich nicht der einzige, der auf seinem Schaden sitzen bleibt."

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare