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Vor Gericht: 1999 Vater geworden - nie gezahlt / "Entschieden zu wenig" unternommen, um Job zu finden

Unterhalt: Strafe für 28-jährigen Drückeberger

Bad Nenndorf (menz). Das eigene Phlegma hat einen 28-Jährigen als Angeklagten vor Gericht gebracht. Wenn er sich we iter um nichts kümmert, wird ihn seine Lethargie auch noch ins Gefängnis bringen. Die Bewährungsstrafe von drei Monaten hat Strafrichterin Gönna Freifrau von Blomberg nämlich an Bedingungen geknüpft. Scheitern könnte der Mann schon an der obligatorischen Pflicht, Wohnungswechsel anzuzeigen. Wenn er weitermacht wie bisher, wird er über den nächsten Umzug stolpern.

Lange hatte man ihn suchen müssen, bevor er jetzt vor Gericht gestellt werden konnte. Die erste Aufforderung hatte er auch noch ignoriert, im zweiten Anlauf ging die Richterin auf Nummer sicher. Sie hatte den Mann zeitig festsetzen lassen, so dass er aus dem Gefängnis in den Gerichtssaal gebracht wurde. In dem Verfahren musste er sich wegen Verletzung der Unterhaltspflicht verantworten. Er war 1999 Vater geworden, hat aber seit der Geburt des Kindes noch nie Unterhalt bezahlt. Zu seiner Verteidigung trug der Mann vor, dass er die Vaterschaft anzweifle. Weit kam er mit seinem Argument nicht. Das Kind sei ehelich geboren und deshalb sei es "rechtlich ziemlich egal, ob Sie sich als Vater fühlen oder nicht", verdeutlichte die Strafrichterin. "Auf dem Papier sind Sie der Vater und zahlungspflichtig." Grundsätzlich orientiert sich die Zahlungsverpflichtung nicht an tatsächlichen Einkünften, als Maßstab gilt ein Einkommen, das der Unterhaltspflichtige hätte erzielen können. Dabei kann auch mangelnder Eifer, Arbeit zu finden, zum Verhängnis werden - und wählerisch dürfen Zahlungspflichtige auchnicht sein. "Solange sie jung und arbeitsfähig sind, müssen Sie arbeiten." Als Vater müsse er "allemal jede beliebige Arbeit machen", so die Richterin. Der Bad Nenndorfer, nach der Bundeswehrzeit zum Lageristen qualifiziert, hat in den letzten Jahren kaum gearbeitet. Nachweiseüber Bewerbungen seien im Wege der vielen Umzüge verschwunden oder in einem feuchten Keller "verschimmelt", hieß es. NachÜberzeugung der Richterin hat der Vater "entschieden zu wenig" unternommen gegen seine Arbeitslosigkeit. Gehörige Zeit war er unauffindbar, nicht nur für das Gericht, amtliche Vermittlungsversuche kamen dadurch erst gar nicht zustande. Die Richterin erkannte an, dass es der Mann "extrem schwer auf dem Arbeitsmarkt" habe. Aber sie traut ihm zu, dass er als "Hilfskraft" doch über den Selbstbehalt von 890 Euro hinaus "50 Euro schon verdienen" könne - "wenn Sie sich anstrengen." Jede Anstrengung muss der junge Mann nun "konkret nachweisen". Die Richterin mahnte zum Schluss: "Wenn Sie alle Dinge schleifen lassen, wird das hier unangenehm."

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