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Unterhalt nach Scheidung wird zur Ausnahme

Wer sich heute scheiden lässt, kann nicht mehr wie noch vor einem Jahr davon ausgehen, dass er lebenslang Unterhalt erhält. Durch das 2008 in Kraft getretene Unterhaltsrecht sind Ehepartner im Fall des Scheiterns der Ehe stärker für die Sicherung des eigenen Lebensstandards verantwortlich als zuvor.

Früher konnten sich Alleinerziehende nach einer Scheidung bis zur Vollendung des achten Lebensjahres ihrer Kinder voll und ganz auf die Kinderbetreuung konzentrieren. Bis zum 15. Lebensjahr der Kinder wurde von ihnen nur eine Teilzeitbeschäftigung verlangt. Für den Unterhalt musste der Ex-Ehepartner aufkommen. Seit 2008 bestehen Unterhaltsansprüche wegen der Betreuung von gemeinsamen Kindern grundsätzlich ohne Einschränkung nur noch bis zum dritten Lebensjahr des jüngsten Kindes. Ob darüber hinaus Unterhalt gezahlt werden muss, wird im Einzelfall geprüft. Betroffene sollten unbedingt einen Anwalt aufsuchen, der sie berät, nach welchen Kriterien Unterhalt geschuldet wird. Ob jemand Unterhalt erhält, ist abhängig davon, welche Betreuungsmöglichkeiten für das Kind bestehen. Teilweise wird eine Teilzeitbeschäftigung bei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter als zumutbar angesehen, wenn die Kinder sich ganztägig im Kindergarten, in der Schule oder im Hort aufhalten können.

Wie lange der Unterhalt gezahlt wird, ist davon abhängig, ob der Ehepartner ehebedingte Nachteile erlitten hat. Das kann z.B. dann der Fall sein, wenn er durch die Kindererziehung in seiner beruflichen Weiterentwicklung benachteiligt wurde. Soll die Dauer der Unterhaltszahlungen verlängert werden, muss der Betroffene angeben, bis wann der Rückstand in der unterbrochenen Karriere aufgeholt wird.

Liegt kein ehebedingter Nachteil vor, kann der Unterhalt unter Umständen sogar bei Ehen von sehr langer Dauer befristet werden. So hat das Oberlandesgericht Koblenz in einem Fall entschieden, dass trotz 25-jähriger Ehedauer der Anspruch der Unterhaltsberechtigten befristet wird, obwohl die Unterhaltsberechtigte 12 Jahre lang nicht arbeitete und beide Kinder betreute. In einem anderen Fall dagegen wurde der Unterhalt vom Oberlandesgericht Nürnberg nach 27-jähriger Ehe nicht befristet, da die Unterhaltsberechtigte während der Ehezeit nur sehr eingeschränkt erwerbstätig war und aufgrund ihres Alters sowie der Erwerbsbiographie auch zukünftig nur eine Teilzeitstelle ausüben konnte. Ein Anwalt kann bei strittigen Unterhaltsfragen helfen, dass die Interessen seines Mandanten ausreichend gewahrt werden.

Ab wann und in welchem Umfang eine Reduzierung des Lebensstandards im Hinblick auf Alter des Unterhaltsberechtigten und die Dauer der Ehe zuzumuten ist, wird individuell geprüft. Abschätzen wie sich das neue Unterhaltsrecht auf den Einzelfall auswirkt, kann nur ein Fachmann. Vor allem viele geschiedene Ehefrauen laufen deshalb Gefahr, bald keinen oder weniger Unterhalt zu erhalten. Für sie ist besonders wichtig, sich rechtzeitig zu informieren. Orientierung und Beratung erhalten Betroffene am besten bei einem Anwalt für Familienrecht.

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