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Filmcrew bevölkert leer stehendes Haus in Flegessen für Dreharbeiten zu einem 15-Minuten-Kurzfilm

Und zwischendurch gibt‘s ein Mettwurstbrot

Flegessen (st). „Ihr seid so scheiße“, zischt die 16-jährige Sophie am Frühstückstisch ihre Eltern an. Sie darf nicht zum Schüleraustausch nach London. „Wer soll das bezahlen?“, fragt ihr Vater beiläufig über die Tageszeitung hinweg – ungläubige Blicke bei Jessica. Ihre Mutter Margret versucht, das zutiefst enttäuschte Teenager-Mädchen zu besänftigen. Ohne Erfolg: Sophie springt vom Tisch auf und geht.

Regisseur Damian Schipporeit begutachtet die Aufnahme.

„Danke! Das war groß.“ – Regisseur Damian Schipporeit hält die so eben abgedrehte Szene für gelungen, jetzt ist erst einmal Mittagspause – um kurz nach fünf Uhr am späten Nachmittag. Um Schipporeit herum tummeln sich Kameraleute, Tontechniker, Maskenbildner und Requisiteure. Eine komplette Filmcrew bevölkert das kleine Einfamilienhaus im münderschen Ortsteil Flegessen, das zurzeit als Set für ein 15-minütiges Kurzfilmdrama mit Top-Besetzung und ambitionierter Story dient. „Linie 102“ wird der Streifen heißen. Er handelt von einer schuldgeplagten Busfahrerin.

Hauptdarstellerin Ulrike Krumbiegel, bekannt aus zahlreichen deutschen Fernsehkrimis und Kinoproduktionen, nimmt sich das Mettwurstbrot, das in der Szene zuvor als Requisite gedient hatte, und beißt genussvoll hinein. Nicht jedoch, bevor sie eine Hälfte ihrer jungen Schauspielkollegin Adriana Möbius gegeben hat, die ebenfalls hungrig zu sein scheint.

Kurz darauf geht es in Kleinbussen zu einer nahe gelegenen Gaststätte, wo etwas Richtiges zu Essen auf den Tisch kommt. Produzent Kim Neumann, Krumbiegel und Schipporeit finden ein wenig Zeit, über das Projekt zu berichten. Die Idee zur Geschichte ist dem Regisseur und Autor nach eigenen Angaben in der Bahn gekommen. Er habe beobachtet, wie eine Schaffnerin drei junge Mädels ohne gültigen Fahrausweis hinausgeworfen hat. „Ich fand die Schaffnerin natürlich erst ziemlich daneben, aber dann habe ich mich in ihre Lage versetzt und erkannt, dass man sie nicht vorschnell verurteilen sollte.“ In dem Film mit dem Titel „Linie 102“ spielt Krumbiegel eine Busfahrerin, die ein randalierendes Mädchen in der Nacht rauswirft, woraufhin die Betrunkene vergewaltigt wird. Jetzt muss Krumbiegel alias „Margret“ mit der Schuld leben.

Wenn der kleine Hunger kommt: Ulrike Krumbiegel (r.) und Jungschauspielerin Adriana Möbius teilen sich ein Mettwurstbrot.
  • Wenn der kleine Hunger kommt: Ulrike Krumbiegel (r.) und Jungschauspielerin Adriana Möbius teilen sich ein Mettwurstbrot.

Das Haus in Flegessen ist in „Linie 102“ Margrets Eigenheim auf dem Land – in der Nähe einer Großstadt. „Wir haben uns für das Haus entschieden, weil es leerstand und wir es nach unseren Vorstellungen einrichten konnten“, sagt Neumann. In Steimbke, Neustadt, Seelze und Hannover werden weitere Szenen an insgesamt neun Drehtagen aufgenommen. „Die Kosten bewegen sich im hohen fünfstelligen Bereich“, verrät Neumann. Gezeigt werden soll der Streifen laut Schipporeit auf diversen Festivals ab Herbst dieses Jahres.

Eine potenzielle Darstellerin für die Rolle der Margret hatte der Regisseur nicht gleich im Kopf – eher einen Typ Frau. „Die Casting-Agentur hat mir einfach gute Vorschläge gemacht – und schnell kristallisierte sich Ulrike heraus“, sagt Schipporeit. Die Schauspielerin selbst sagt: „Das ist keine typische Produktion. Und man muss auch mal was ausprobieren, einfach mal die Nase rausstrecken.“

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