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Die Welt zu Hause in Schaumburg: Serie zur Fußball-WM / Raul und Sofiene hoffen auch auf einen deutschen Erfolg

"Tunesien - das ist wie die Mücke gegen Elefanten"

Rodenberg. "O, wenn die Weltmeisterschaft beginnt, gibt es sicherÄrger mit meiner Freundin", sagt der Tunesier Sofiene Halfaoui (34) aus Rodenberg. "Dann wird es ihr bestimmt zu viel mit Fußball, Fußball, Fußball...!" Er lacht, und man merkt, wie sehr er sich auf die WM-Zeit freut, ebenso wie sein guter Freund Raul Saidi (27), dem es sogar gelungen ist, vom tunesischen Konsulat zwei Karten für das Spiel Tunesien-Ukraine in Berlin zu bekommen.

Zwei Freunde, die sich auf die WM in Deutschland freuen: Raul Sa

Autor:

Cornelia Kurth

Beide haben bereits in Tunesien begeistert Fußball gespielt. Seit sich das Land 1978 zum ersten Mal für eine WM qualifizieren konnte, ist Fußball dort fast genau so wichtig geworden wie in Deutschland. Nun kickt Sofiene Halfaoui in der Abwehr für die 1. Mannschaft des VfL Bad Nenndorf, und Raul Saidi, der als Koch im Mövenpick am Flughafen Hannover weniger Zeit hat als Sofiene mit seiner Arbeit im Service des GOP-Varietés Hannover, er guckt ganz oft zu und gibt gute Trainingsratschläge. Die beiden sind so nett und gut gelaunt. Es macht ihnen Spaß, von Tunesien zu erzählen, vom tunesischen Fußball und auch davon, dass sie in Deutschland, wo der eine seit neun, der andere seit fünf Jahren lebt, prima zurechtkommen (dass sie das tun, zeigt allein schon ihre Art, ein ganz selbstverständlich gutes, in vielen Alltagsgesprächen geschultes Deutsch zu sprechen). "Tunesien hat sich in den letzten 20 Jahren immer weiter sehr entwickelt", sagt Raul Saidi und nennt die Sozialgesetzgebung, die relative Freiheit der Frauen, die allgemeine sichere Lage im Land, die Offenheit den westlichen Touristen gegenüber und - nicht zuletzt - die Förderung des Fußballs. "Ja, wir sind technisch sehr gut, schnell und fantasievoll", erklärt auch Fußballspieler Sofiene Halfaoui. Die tunesische Mannschaft ist Favorit unter den Afrikanern und gewann 2004 auch souverän den Afrikanischen Nationen-Pokal. Die Chancen stünden nicht schlecht dafür, dass die Tunesier diesmal wieder richtig zeigen können, was fußballerisch in ihnen steckt. "Immerhin haben wir bei der Fußballweltmeisterschaft 1978 schon Mexiko besiegt und gegen den Titelverteidiger Deutschland unentschieden gespielt!" Dass ihnen die umfassende körperliche Kondition und eine besondere Aggressivität, die sie an der deutschen Mannschaft bewundern, fehlt, nehmen sie gelassen hin: "Den deutschen und den tunesischen Fußball kann man einfach nicht vergleichen", sagt Sofiene. Und Raul sagt: "Tunesien ist wie die Mücke gegen Elefanten. Sie kann nicht töten, aber sie kann sehr stören...!" Sofiene istübrigens nicht neidisch auf Raul, der mit einem Freund zum Tunesien-WM-Spiel nach Berlin fährt (Rauls Frau Tanja kann nicht mitkommen, denn sie erwartet das erste Kind). Er spielt nämlich selbst in einer "WM", an der alle vier GOP-Varietés teilnehmen und für die er auch sehr viel Organisationsarbeit übernimmt. "Das tröstet mich ein bisschen, denn ich habe gar keine Zeit wegzufahren." Seine Freundin Ute kann sich in diesen fußballgefüllten Wochen immerhin damit trösten, dass er nicht zu den biertrinkenden Fußballfans gehört, wie die deutschen Freunde ringsum. Klar ist jedenfalls, dass die beiden tunesischen Männer sich, sobald ihr Heimatland nicht mehr im Wettbewerb ist, am meisten über einen WM-Sieg von Deutschland freuen würden. "Wir haben so viele deutsche Freunde, mit denen wir zusammen Fußball gucken", so Raul. "Die freuen sich mit uns und wir freuen uns mit ihnen."

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