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In Koumaye sollen noch drei Klassenzimmer entstehen / Dank für Spenden aus der Bergstadt

Tschad: Ein einziges Lehrbuch für 30 Schulen

Obernkirchen (sig). Jungen und Mädchen, denen Hunger und anderes Elend weitgehend fremd sind, kümmern sich um andere Kinder, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Die einen besuchen in Obernkirchen das Schulzentrum "Am Ochsen bruch", die anderen wachsen in dem Dorf Koumaye im Herzen Afrikas auf und besitzen zum ersten Mal eine Schule, die diesen Namen verdient. Bei den Schülern aus der Bergstadt, die dazu beigetragen haben, bedankte sich jetzt Maurice A. Daja persönlich. Er ist der Initiator dieses Projekts.

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Der Tschad ist die Heimat des Vorsitzenden von "Afrika e.V." mit Sitz in Münster. Er arbeitet als Journalist und organisiert die Hilfsmaßnahmen, durch die es wenigstens in einem Teilbereich dieses bedauernswert unterentwickelten Landes der jüngeren Generation besser gehen soll. In einem Hörsaal des Obernkirchener Schulzentrums berichtete Maurice A. Daja, der eine deutsche Frau geheiratet hat, in Wort und Bild über die Probleme seiner Landsleute, die nicht, wie er, den Weg in die bessere Welt gesucht haben. Sehr kritisch betrachtet er die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Tschad: "Wir sind arm, obwohl im Tschad Erdöl produziert wird. Vom Wohlstand kommt nichts an bei den einfachen Menschen." Besonders hart geht er mit denen ins Gericht, die noch immer an derüberlebten Sitte der Beschneidung festhalten. Daja: "Das ist schlicht und einfach nichts anderes als Verstümmelung!" Im Land herrsche ohnehin totale Willkür. Nirgendwo in der Welt sei die Verwaltung so schlecht wie dort. Ein Beispiel dafür sei die Tatsache, dass selbst er nicht wisse, wann er geboren wurde und wie alt er wirklich ist. Seine Eltern seien früh gestorben. Er besitze keine Erinnerung an sie. In seiner Heimatregion gebe es noch nicht einmal eine richtige Straße. "Aber Autos fehlen bei uns ohnehin", berichtete der Journalist. Die Menschen wohnten in armseligen Hütten und müssten oftmals weite Wege zu ihren Feldern zurücklegen. Aber trotz aller Not kenne man dort keinen Neid und sei bereit, sich gegenseitig zu helfen. Für die miserable Lage gibt es kein besseres Beispiel als dieses: Für insgesamt 30 Schulen steht nur ein einziges französisches Lehrbuch zur Verfügung, das von Dorf zu Dorf weitergereicht wird. Kein Wunder, dass von hundert ABC-Schützen nur einer die sechste Klasse erreicht. Irgendwie habe er den Eindruck, so Daja, dass die Regierung ihre Bürger bewusst dumm halten will. Dieser Entwicklung arbeitet er mit seinem Verein und den ihn unterstützenden Förderern entgegen. Die Schüler und Lehrkräfte des Obernkirchener Schulzentrums haben mit ihren bisher zusammengetragenen Geldspenden zur Errichtung der neuen Schule mit drei Klassenräumen beigetragen. Die Energieversorgung erfolgt durch Solarzellen auf dem Dach. In der Zwischenzeit wird dort auch ein Garten angelegt, damit den Kindern wenigstens eine Mahlzeit pro Tag ermöglicht werden kann. Dazu kam noch ein Brunnen, der sauberes Trinkwasser liefert. Maurice A. Daja sammelt jetzt Spenden, um weitere drei Klassen einrichten zu können. Eines der wichtigsten Prinzipien des Vereins "Afrika e.V." ist das Bemühen, mit Hilfe von kleinen Krediten dazu beizutragen, dass die Eingeborenen selbstständig werden - zum Beispiel durch ein sinnvolles Bewirtschaften von Ländereien. Daja durfte nach seinem Besuch in der Bergstadt die Gewissheit mitnehmen: Von dort wird weitere Hilfe kommen. Über die einzelnen Aktionen muss noch beraten werden.

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