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Jugendkammer des Landgerichts verhandelt gegen vier Männer und eine Frau aus Bad Münder

Trinkgelage enden mit exzessiver Gewalt

Bad Münder/Hannover (jhr). Der Blick in eine Welt, in der Alkohol und Gewalt die Konstante bilden: Vor dem Landgericht Hannover hat gestern der Prozess gegen vier Männer und eine Frau begonnen, die in wechselnden Besetzungen und bei verschiedenen Anlässen in Bad Münder andere bedroht, geschlagen und mit Fußtritten verletzt haben sollen.


Die Taten, die ihnen die Staatsanwaltschaft vorwirft, haben sich zwischen Juni und August 2006 ereignet. 16 verschiedene Delikte werden in der Anklageschrift aufgeführt – von der „einfachen“ Bedrohung bis hin zum Angriff mit einem Baseballschläger. Der Großteil davon entfällt auf die 38-jährige Melanie K. (neun Straftaten) und ihren Sohn Marcel (elf Straftaten), und da der Sohn zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt war, befasste sich die Jugendkammer des Landgerichts mit dem Fall.

Mehrere Fälle beleuchtete das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Volker Löhr: Am 25. Juni 2006 waren Mutter und Sohn in der Gaststätte „Onkel Hermann“ gemeinsam mit einem 43-jährigen Bekannten in eine Auseinandersetzung verwickelt, bei der einem anderen Gast von der 38-Jährigen Reizgas ins Gesicht gesprüht und die Wirtin bedroht wurde: Sollte sie die Polizei rufen, würde ihr wehgetan. Die Angeklagte räumte Reizgaseinsatz und Bedrohung der Wirtin ein, schilderte den Hergang aber anders, als ein Zeuge nach der Tat gegenüber der Polizei zu Protokoll gegeben hatte. Sie sei provoziert worden, habe sich nach einer Würge-Attacke des Zeugen mit dem Reizgas zur Wehr gesetzt. Gegenüber der Polizei hatte der Zeuge zwei Tage nach der Tat angegeben, erst nach einem Griff der Angeklagten in die Kasse der Gaststätte und seinem Einschreiten angegriffen worden zu sein – gestern konnte er sich in seiner Aussage vor Gericht an diesen Hergang nicht mehr erinnern und berichtete von einer unmittelbaren Reizgas-Attacke.

Weitere Punkte, die die Kammer in den nächsten Wochen – das Strafverfahren ist auf fünf Verhandlungstage anberaumt – erhellen will, sind eine Schlägerei vor der Gaststätte „Bei Bodo“, in die insbesondere Mutter und Sohn verwickelt waren: Zur Last gelegt werden ihnen Faustschläge und Fußtritte ins Gesicht eines Beteiligten. Melanie K. gab an, dass sie von den späteren Kontrahenten provoziert worden sei – sie hätten Pernod mit Cola mal mit, mal ohne Eis bestellt.

Gemeinsam mit dem Sohn und einem weiteren Angeklagten soll K. einen Bekannten in dessen Wohnung angegriffen und mit einer Bierflasche am Kopf verletzt haben, der Sohn habe dem Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Begründung der Angeklagten für die Attacke mit der Flasche: Das Opfer habe nach dem Eindringen der drei „Besucher“ seine Wohnung verlassen wollen, sie die Tür zugehalten. Als der Mann die Tür dennoch aufriss, habe sich ihr Pullover am Türgriff verfangen, durch den Schlag habe sie sich befreien wollen.

Ein weiterer Vorwurf: Bei einem Zechgelage in der Wohnung der Angeklagten soll die Situation eskaliert sein. Ein Gast wurde mit einem Baseballschläger angegriffen, ein anderer sollte Geld aus einem Automaten holen, während sein Lebenspartner als „Pfand“ festgehalten wurde.

Die Erinnerungen der Angeklagten an diesen Tag sind sehr dünn. „Kann sein, dass ich da einen Blackout hatte“, sagt sie – zu dieser Zeit habe sie täglich zweieinhalb Flaschen Wodka konsumiert. Um ihre jüngeren Kinder, sechs, neun und zwölf Jahre alt, habe sich der Zwölfjährige gekümmert, wenn ihr damals 17-jähriger Sohn Marcel sie zu den „Feiern“ begleitete. „Er hat auf mich aufgepasst“, schilderte sie – weil sie „unter Alkoholeinfluss leicht aggressiv“ werde. Heute sitzen Mutter und Sohn zwar auf der Anklagebank nebeneinander, außerhalb des Gerichts haben sie jedoch keinen Kontakt mehr.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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