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Trägerin des Bundesverdienstkreuz: Anni Nolte hat Geburtstag

EIMBECKHAUSEN. „Das kann ich nicht, gibt es bei mir nicht, ich würde es zumindest versuchen“. Mit diesem Satz gelang es Anni Nolte vor 72 Jahren, ihre erste Anstellung zu bekommen – obwohl sie ihrer zukünftigen Arbeitgeberin mit 18 Jahren zu jung erschien. Es könnte auch das Lebensmotto der Eimbeckhäuserin sein.

Ein bewegtes Leben mit großem Einsatz für andere: Anni Nolte wird heute 90. Foto: Werner

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Monika Werner Reporterin

Auf ein bewegtes Leben kann die Seniorin mit dem verschmitzten Lächeln heute zurückblicken. Und immer spielten Kinder eine große Rolle darin. „Mit zehn hatte ich mein erstes Ausfahrkind“, erinnert sie sich. Später lernte sie Hauswirtschaft, kam zum Arbeitsdienst in die Heide und nach der Rückkehr musste sie sich gleich eine Arbeit suchen. Und die fand sie eben bei Familie Lohmann unterhalb der Süntelklinik. Drei Kinder galt es zu versorgen, dazu den Haushalt. Dann arbeitete sie bis zu ihrer Heirat in einem Kindergarten. „Damals war es selbstverständlich, dass man aufhörte zu arbeiten und nur noch für den Haushalt da war, wenn man heiratete“, erklärt Nolte.

Als sie mit ihrem Mann Verwandte im Vorharz besuchte, fiel ihr ein kleines Mädchen auf, mit dem aufgrund einer leichten Behinderung niemand etwas zu tun haben wollte. Sie überredete ihren Mann, das Mädchen aufzunehmen und kam so zu ihrem ersten Pflegekind. Als das Mädchen nach etwas über einem Jahr wieder abgegeben wurde, erkrankte Anni Nolte schwer. Mehr als vier Jahre lang kämpften die Ärzte um ihr Leben und die Erkrankte schwor: „Lieber Gott, wenn ich das hier überlebe, verspreche ich dir, dass ich den Menschen helfen will, so gut ich kann!“ Und so geschieht es. 1956 wird sie geheilt entlassen – und dann Tages- und Pflegemutter.

Mehr als 120 Kinder hat sie in 40 Jahren bei sich aufgenommen und versorgt. Eines dieser Pflegekinder trug mit 21 Jahren eine Bitte an sie heran: Es möchte adoptiert werden. Da das Ehepaar Nolte keine eigenen Kinder hat, war es gern zur Adoption bereit. Heute ist Anni Nolte auch stolze Großmutter.

Aber auch viele der anderen Kinder sind ihrer Pflegemutter noch heute eng verbunden. In den sechziger Jahren betreute sie überwiegend Kinder der ersten Gastarbeiter und pflegt seither besonders nach Griechenland enge Kontakte. Ihr Mann machte in seiner Freizeit Musik, er baute den Musikverein mit auf und auch da beteiligte sich Anni Nolte rege. Sie war im Vorstand, „aber da habe ich natürlich vor allem die Kinder der Mitglieder auf den Fahrten betreut“.

Viele Nullen kann Anni Nolte dieses Jahr feiern. 90 Jahre wird sie heute alt, seit 80 Jahren ist sie im Roten Kreuz, vor 60 Jahren ist sie gesund geworden und vor 30 Jahren bekam sie das Bundesverdienstkreuz verliehen. „Für den Aufbau der Musikschule“, erzählt die rüstige Dame, „da habe ich bestimmt 30 bis 40 Meter Gardinen genäht“. Mit 75 Jahren habe sie dann aufgehört mit der Kinderbetreuung – „und mit 82 wieder angefangen“, lacht sie. Heute aber kümmert sie sich nur noch um ihre Untermieter, denen kocht sie einmal in der Woche ein anständiges Mittagessen. Bis vor Kurzem hat sie beim gesunden Schulfrühstück mitgeholfen und bis heute fährt sie gelegentlich ältere Mitbürger zu Terminen. Und sieht man sich Anni Nolte an, wie sie mit leuchtenden Augen aus ihrem Leben erzählt, kann man ihr kaum glauben, wenn sie sagt: „Ich hör‘ jetzt aber auf damit.“

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