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Rück- und Ausblick mit Uwe Rennekamp: Der HSV-Fanclub-Chef zu Einkäufen, Abgängen, Chancen und kommenden Meistern

"Tradition kann man für kein Geld der Welt kaufen"

Obernkirchen. Platz vier in der Tabelle, noch im DFB-Pokal und der sichere Einzug in die nächste Uefa-Pokal-Runde: Zwar spielt der HSV keinen überragenden Offensiv-Fußball, aber er gewinnt und hat sich nach der Hinrunde in der Bundesliga-Tabelle ganz oben festgesetzt. Im fast schon traditionellen Interview gibt Uwe Rennekamp als Vorsitzender des HSV-Fanclubs "Blauer Stern Schaumburg"einen Rück- und Ausblick. Die Fragen stellte Frank Westermann.

Uwe Rennekamp

Zufrieden mit Ihrem HSV? Diese Frage kann man mit einem deutlichen "Ja" beantworten. Im Mai haben wir uns für den Uefa-Pokal qualifiziert, durch das 2:0 in Prag überwintern wir in diesem Wettbewerb, genauso wie im DFB-Vereinspokal. In der Bundesliga stehen wir mit 33 Punkten in Lauerstellung zur Spitze und gehören damit zum engeren Kreis der Anwärter auf den Meisterschaftstitel. Meine Aussage, die ich im Sommer vor der Saison getroffen habe, dass wir Deutscher Meister werden, können wir also durchaus noch realisieren. Trotzdem: Spielerisch klaffen aber kleine Welten zwischen den beiden Top-Teams und dem Rest der Liga, also auch dem HSV. Gedacht war das ja anders, aber Neves und Jansen sind bislang keine Verstärkungen: Die millionenteuren Neuzugänge haben bislang wenig überzeugt. Das Ergebnis einer verfehlten Einkaufspolitik? Unsinn. Erst einmal können gar keine Welten zwischen den Top-Teams der Liga und dem HSV liegen, denn der HSV gehört zu den Top-Teams der Liga. Ein Bild auf die Tabelle zeigt dieses eindrucksvoll. Dass die Bayern sich nach anfänglichen Schwierigkeiten fangen würden, dürfte jedem klar gewesen sein. Aber toll und konstant gut spielen sie dabei noch lange nicht. Sicherlich spielt Hoffenheim einen attraktiven Fußball, sie aber zu den Top-Teams der Liga zu zählen, dazu müsste noch so einiges passieren. Die Frage galt der verfehlten Einkaufspolitik. Klare Antwort: Nein. Man sollte erst einmal Spieler nennen wie Aogo, Silva und vor allem Petric - allesamt Neuverpflichtungen, die bereits aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken sind und nach kurzer Zeit schon zu festen Größen innerhalb der Mannschaft geworden sind. Marcell Jansen wurde geholt, als er nach seiner Verletzung noch nicht hundertprozentig fit war. Dann verletzte er sich erneut und wird die Winterpause dazu nutzen, sein eventuelles Defizit wieder aufholen zu können. Neves muss man mindestens ein Jahr Eingewöhnungszeit geben. Von diesem Spieler werden wir in Zukunft sicherlich noch einiges hören. Die Null muss gehen: Zu Beginn der Saison hatte der HSV offensiven Fußball versprochen. So ganz klappt das noch nicht, oder? Woran liegt es? Nach dem Abgang von van der Vaart und den recht späten Neuverpflichtungen musste sich die Mannschaft erst finden und hatte durch die vielen englischen Wochen eigentlich gar keine Zeit dazu. Einige Neuverpflichtungen sind ja aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken, aber man wusste ja nicht, wo man steht, und somit versuchte unser Trainer immer mal wieder die eine oder andere Neuverpflichtung auf verschiedenen Positionen zu integrieren. Diese Integration ist bisher noch nicht abgeschlossen. Da man gerade in den ersten Spielen immer wieder einen Rückstand aufholen musste und dieses ja auch eindrucksvoll getan hatte, wie zum Beispiel in München, Bielefeld und gegen Leverkusen, hat man ja leider auch die eine oder andere herbe Auswärtsniederlage hinnehmen müssen. Es war klar, dass man nicht auf Teufel komm raus nach vorne stürmen konnte. Daher hat man versucht, aus einer sicheren Abwehr heraus, der kontrollierten Offensive, zum Erfolg zu kommen. Van Boyten, Boulahrouz, van der Vaart und jetzt Olic: Wieder droht der Abgang eines Spielers, der in Hamburg zum Star wurde. Wie groß wäre der sportliche Verlust denn? Der wäre schon sehr groß. Olic gehört zu den Spielertypen die immer alles geben. Leidenschaft, Einsatz und unbändiger Siegeswille zeichnen ihn aus. Ein Spielertyp, der nur sehr schwer zu ersetzen wäre und der auch vom Charakter her in jede Mannschaft passt. Aber er sollte sich genau überlegen, ob er nach München gehen sollte. In Hamburg gehört er zu den Top-Stars und genießt innerhalb der Mannschaft und bei den Fans ein hohes Ansehen. In München ist er einer von vielen. Ihr Spieler der Hinrunde ist wer? Fußball ist ein Mannschaftssport und gerade wir sind vom Verletzungspech in der Hinrunde arg gebeutelt. Führungsspieler wie Atouba, de Jong, Castelen, Choupo-Moting fallen schon über Monate hin aus. Wir sind als Mannschaft sehr gefestigt und ein tolles eingeschworenes Team. Deshalb möchte ich keine Spieler hervorheben. Wir können stolz sein auf die ganze Mannschaft als Team. Wo steht der HSV am Ende? Ganz klar: Platz eins, das heißt Deutscher Meister 2009 - was sonst. Der schönste Moment in der Hinrunde? Der schönste Moment der Hinrunde zieht sich bei unserem HSV schon über Jahre hin: Das ist der tolle Zusammenhalt zwischen Verein, Mannschaft und den Fans. Das sind wir, der HSV. Letzte Frage. Sie sind ein reicher Russe. Wen kaufen Sie? Eine große Tradition kann man für kein Geld der Welt kaufen.

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