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Torsten Schulte sucht Kontakt

Guten Tag, mein Namen ist Torsten Schulte. Ich wollte mich Ihnen vorstellen – wegen der Landratswahl am Sonntag.“ Endlich hat mal jemand auf sein Klingeln an der Haustür in der Tilsiterstraße in Hameln reagiert und die Tür geöffnet. „Da kommen Sie zu spät, Herr Schulte, wir haben unsere Stimme schon per Briefwahl abgegeben. Aber viel Glück am Sonntag!“, wird der Landratskandidat der Grünen freundlich verabschiedet. Das Faltblatt, das Schulte anbietet, nimmt die Dame aber dankend an.

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß

„Ich hab’ mich schon für Schünemann entschieden“, erklärt auf der Straße ein älterer Herr resolut, als der grüne Kreispolitiker ihn anspricht. „Macht nichts“, sagt Schulte, „das ist schließlich Ihr gutes Recht.“ Beim „Canvassing“, wie die Haustürwerbung um politische Stimmen in den USA heißt, hat der Kandidat an diesem späten Nachmittag nicht viel Glück. Deutlich mehr als die Hälfte der Türen öffnen sich ihm nicht. „Wir sind wohl ein bisschen früh“, meint Schulte mit Blick auf die Uhr. „Um 17 Uhr sind wohl noch viele auf der Arbeit.“ Dann, nach einem halben Dutzend vergeblichen Klingelns, öffnet sich wieder eine Tür. „Tag Herr Schulte, ich kenne Sie“, wird er begrüßt. „Aber ich muss Ihnen eines gleich sagen: Mit Ihrer Bildungspolitik bin ich nicht zufrieden.“ Gerd Schaefer ist Lehrer am Schiller-Gymnasium und beklagt vor allem, dass von den Politikern nie jemand in die Schule komme, „um mal zu gucken, was wir da für eine Arbeit leisten“. Und schon ist eine kurze Diskussion zwischen dem Pädagogen und dem Landratskandidaten über integrierte Gesamtschulen, Gymnasien und Elitebildung im Gang.

„Das ist absolut die Ausnahme, dass es bei diesen Kontakten zu Diskussionen kommt“, erklärt Schulte auf dem Weg von Haustür zu Haustür. „Meine Fachleute haben mir geraten, mich einfach nur vorzustellen, damit die Menschen, die mich wählen sollen, mich auch mal persönlich sehen. Überzeugungsarbeit wird dabei nicht geleistet. Das passiert schon eher bei besonderen Themenveranstaltungen, auf Podiumsdiskussionen, an unseren Ständen auf den Märkten oder in der Fußgängerzone, wo Menschen aktiv auf mich zukommen.“

Viele der gestern angesprochenen Bewohner am Klüt-Südhang haben ihre Stimme schon abgegeben. „Das scheint ein starker Trend zu sein“, meint Schulte. „Da klingele ich dann eben vergebens.“ Seinen Flyer lässt er trotzdem da. Und wo er besonders freundlich empfangen wird, kommt noch ein Kugelschreiber dazu, ein grüner natürlich. Etwa 100 Haustürbesuche hat Schulte schon hinter sich. Heute geht er noch einmal auf Tour.

Den Kuli gibt’s auch bei Etti Brandt und ihrem Sohn Ennio. „Auch schon gewählt?“, lautet die Frage an die gut gelaunte Dame des Hauses. „Natürlich nicht“, antwortet sie, „wir gehen grundsätzlich sonntags zum Wählen an die Urne.“

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