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Krisenstab im Kreishaus beschäftigte sich gestern mit angenommenen Zerstörungen in Bad Münder

Tornado-Alarm: Stab probt den Ernstfall

Bad Münder/Hameln (tis/jhr). Wenn’s richtig dick kommt, kann das aufeinander abgestimmte Arbeiten der Rettungskräfte und ihre Koordination Menschenleben retten. Die Leitung dieser Einsätze liegt dann beim Stab rund um den Landrat im Kreishaus – gestern übten die Mitglieder, unterstützt von Fachberatern von Polizei, Feuerwehr, DRK, THW und Bundeswehr, ein Szenario, bei dem Bad Münder im Mittelpunkt stand.

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Gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst war die Ausgangslage entwickelt worden: Von Hessisch Oldendorf aus hatte ein Tornado eine Schneise der Verwüstung Richtung Bad Münder geschlagen, die Stadt nicht verschont und Schäden in den Ortschaften und Wäldern angerichtet. Allein 900 Menschen in Bad Münder wurden obdachlos, weil ihre Häuser vom Sturm beschädigt oder weggerissen wurden. Ausfälle in der Energieversorgung, blockierte Straßen und ein Totalausfall der Dialyseabteilung der Deister-Sünttel-Klinik wurden als Folge angenommen.

Die erste Aufgabe des Stabes, der sich aus bis zu 60 Mitarbeitern zusammensetzt und im Ernstfall im Zweischicht-Betrieb arbeitet: Hilfe zielgerichtet zu koordinieren. Aufgeteilt ist der Stab in die Bereiche Personal, Lagedarstellung, Einsatzverlauf, Logistik, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Ihnen stellten der Projektleiter der Katastrophenschutzübung, Jürgen Kettler, und der Sachgebietsleiter Lage, Harald Menzel, gestern die Ausgangsfakten vor. „Solch eine Lage bedeute, dass sich der Stab um einige vorrangige Aufgaben kümmern muss. Etwa die Versorgung der betroffenen Bevölkerung, das Freiräumen der Straßen, die Einrichtung von zentralen Betreuungsplätzen, die Sicherstellung der Strom- und Wasserversorgung und eventuell Evakuierungen“, erklärte Kettler. Dazu bedient sich der Stab der Hilfsorganisationen – während der Übung gestern wurden sie aber nur theoretisch in den Planunterlagen eingesetzt. Zeitgleich mit den Mitarbeitern im Kreishaus übten auch die Stäbe in den Landkreisen Holzminden, Schaumburg und Nienburg sowie der Stab der Polizeidirektion in Göttingen.

Die Leitung in Hameln übernahmen Sabine Meißner und Andreas Manz in Vertretung des Landrates. Um die aus ihrer Sicht vordringlichen Aufgaben, die Versorgung von Verletzten und die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit von Kliniken und Heimen sowie die Rettung und Evakuierung von Menschen, sicherstellen zu können, forderten sie Kräfte von Feuerwehr, DRK und THW von außerhalb an. Da die Hilfe aus anderen Landkreisen laut Übungsplan aber nur zögerlich anlief, rief Meißner den Katastrophenfall aus. „Das bedeutet ganz andere rechtliche Möglichkeiten. Hilfeleistung kann in den anderen Regionen nicht so einfach abgelehnt werden“, erklärte Pressesprecherin Sandra Lummitsch.

Immer wieder wurde der Stab während der Übung von neuen Meldungen überrascht – beispielsweise von einem angenommenen Verkehrsunfall mit einem Gefahrguttransporter in Hachmühlen.

Betonte wurde während der Übung, dass das Übungsszenario keinesfalls nur „aus der Luft gegriffen“ sei – kleinere Tornados seien in der Vergangenheit bereits im Landkreis beobachtet worden.

Projektleiter Kettler zog im Anschluss Bilanz: „Die Aufgaben wurden zu 95 Prozent sauber abgearbeitet, der Rest waren Kleinigkeiten. Und auch die Polizeidirektion war mit unserer Arbeit sehr zufrieden.“ „Wir alle nehmen immer stärkere Wetterphänomene mit teilweise schweren Schäden und Beeinträchtigungen im öffentlichen Bereich wahr. Um uns auch zukünftig bestmöglich auf solche Ereignisse vorzubereiten, sind gemeinsame Übungen sehr wichtig“, erklärte Polizeipräsident Robert Kruse.

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