weather-image
Hamburger „Style Bandits“ mit Liedern gegen Nazis und Rassismus zu Gast im Willis

Tolle Songs finden nur wenige Zuhörer

Bad Münder. Schlagzeuger Robby Schön nimmt’s gelassen. „Ich mache oft Tanzmusik und da spielt man manchmal auch nur als Begleitung zum Essen“, erklärt der Profi-Musiker. Auch beim Auftritt des Trios „Style Bandits“ musste die Frustrationsschwelle ziemlich hoch gelegt werden. Bis auf ein paar lautstarke Thekengäste hatte sich allenfalls eine Handvoll Konzertbesucher ins Willis, der Kneipe des Wilhelm-Gefeller-Bildungszentrums am Deisterhang, verirrt.

270_008_7774005_lkbm_Style3.jpg

Autor:

Christoph Huppert

Sehr bedauerlich, denn was die drei Musiker aus Hamburg zu Gehör brachten, war nicht nur eine hochinteressante Mischung aus orientalischen, meist türkischen, und keltischen Klängen, sondern deren Einbindung in den Blues. „Das klappt nicht in einer einzelnen Nummer“, so Gitarrist und Songschreiber Roland Prakken, „aber im Gesamtprogramm geht das schon.“ Seit Mitte der 90er-Jahre versucht Prakken die Synthese unterschiedlichster Stilarten und Weltmusiken.

Im Gegensatz zu seinem Auftritt im April 2012, als die drei Jungs von der Elbe noch als „Kleine Freiheit“ firmierten, präsentierte sich ihr aktuelles Programm deutlich politischer. „Was gegenwärtig passiert, schreit einfach danach, in Liedern thematisiert zu werden“, so Prakken.

Flüchtlinge, Rassismus, Nazis, das sind die Hauptthemen, die Prakken in Texte gefasst und für das Trio arrangiert hat. Musikalisch begeisterten alle drei Künstler dabei mit ausgezeichneten Soli, textlich gingen vor allem zwei neu geschriebene, an diesem Abend uraufgeführte Songs unter die Haut. Da ist zum einen das Lied „1000“, mit einprägsamen Zeilen wie „tausend fromme Wünsche machen dich nicht satt“ oder den – den Flüchtlingen gewidmeten Worten – „jeder betet, dass er’s diesmal schafft“. Prakkens Text „Tausend trübe Tassen auf dem Weg ins vierte Reich“ dagegen attackiert die Neo-Nazi-Szene, freilich mit einem ordentlichen Schuss Ironie, sodass auch bei diesem Titel trotz des ernsten Hintergrunds gelacht werden darf. „Nächste Woche veröffentlichen wir das als Download“, kündigte der Autor an, „die Erlöse kommen ausnahmslos den Flüchtlingen zugute.“

Unterm Strich ein politisch aktuelles Konzert dreier exzellenter Musiker mit Texten, die an diesem Abend völlig unverdientermaßen kaum das Ohr der Gäste im „Willis“ erreichten. Zur Kneipenhintergrundmusik degradiert, wurden hier leider musikalisch und textlich Perlen vor die Säue geworfen.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare