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Tjark Bartels im Kita-Land

Tjark Bartels ist spät dran an diesem Mittag. Den Weg nach Salzhemmendorf fand der Landratskandidat der SPD noch ohne fremde Hilfe. Vom Kernort bis in den Ortsteil Thüste bemühte Bartels dann aber doch lieber sein Navigationsgerät – um gleich darauf festzustellen, wie weitläufig der Landkreis, für dessen oberstes Verwaltungsamt er sich dieser Tage bewirbt, in seinen Randgebieten sein kann: „Das sind ja noch mal zehn Minuten!“, flüstert der 44-Jährige seinem Parteigenossen Ulrich Watermann zu, als er anstatt um 13 Uhr erst um 13.15 Uhr in der integrativen Kindertagesstätte „Stoppelhopser“ erscheint.

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Wiebke Kanz

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Wiebke Kanz Reporterin zur Autorenseite

Dass der Besichtigungstermin bereits ohne ihn begonnen hat, hängt zum einen damit zusammen, dass heute nicht Tjark Bartels der Star ist, sondern Johanne Modder, die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, die den Wahlkreis des Abgeordneten Watermann bereist. Zum anderen gehört es nicht zu den größten Stärken Tjark Bartels’, die steife Politikerrolle abzulegen: Eine geschlagene Stunde durch die Gruppenräume der „Bären“, „Hasen“, „Käfer“ und „Mäuse“ streifen, über „Schnuller-Parkplätze“ staunen und über die winzigen Toilettensitze in den Sanitärräumen, zwischendurch noch um die Sympathie spielender Kinder buhlen, wie Modder es meisterhaft vormacht – für den studierten Juristen nicht die leichteste Übung. Die Verspätung aber erlaubt es ihm, sich im Hintergrund zu halten, nur an der einen oder anderen Stelle interessiert nachzufragen („Wie kriegen Sie das denn hin, das Aquarium so sauber zu halten?“) und sein Augenmerk auf die anschließende Gesprächsrunde mit Kita-Leitung, Eltern, Vertretern des Fleckens Salzhemmendorf und des Kreis-Inklusionsforums zu richten.

Auf diesem Gebiet fühlt sich Bartels sichtlich wohl, das Soziale ist sein Steckenpferd. Während Modder sich über weite Strecken in Phrasen verheddert („Inklusion ist eine der zentralen Aufgaben unserer Gesellschaft“, „Kinder sind unsere Zukunft“), hört sich der Familienvater die Sorgen einer Mutter zweier sogenannter Inklusionskinder an, berichtet aus dem Schulalltag seiner drei Kinder und von seiner Vision, dass Inklusion eines Tages nicht mehr nur zwischen Einschulung und Schulabschluss stattfindet, sondern alle Menschen – auch diejenigen, die weniger leisten können – gleichberechtigt am Arbeitsmarkt teilhaben.

Und so gibt es an diesem Mittwochnachmittag bei den „Stoppelhopsern“ auch nur einen Moment des Unbehagens. Den nämlich, als Modder die Gesprächsrunde unterbricht, um ihre Enkelin, die die Kindertagesstätte besucht und gerade aus dem Mittagsschlaf aufgewacht ist, auf den Arm zu nehmen. Tjark Bartels erhebt sich von seinem Platz, steuert auf Oma und Kind zu – und biegt dann, als man innerlich bereits in Habachtstellung geht und sich für Babysprache, Grimassen und jede Menge Unbehagen rüstet, nach links in Richtung Kaffeetafel ab. Bartels nutzt die Gesprächspause, um Koffein- und Blutzuckerspiegel nach oben zu treiben. Denn es ist erst 15 Uhr und der Tag des Landratskandidaten im Wahlkampf noch lange nicht vorbei.

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