weather-image
19°
Besorgter Naturschützer informiert Landkreis / Kreisjägermeister gibt Entwarnung: "Alles im grünen Bereich"

Tierfalle und seltsam bestrichene Pfähle entdeckt

Schoholtensen (la). Bei einem Spaziergang am Waldrand oberhalb von Schoholtensen hat der 18-jährige Naturschützer Marc Jameson auf einer Wiese eine merkwürdige Entdeckung gemacht. Zunächst fiel sein Blick auf eine alte Badewanne. "Ich nehme an, dass die hier nur illegal entsorgt wurde", sagte Jameson. Doch dann seien ihm noch einige Pfähle aufgefallen, die mit einer stinkenden, klebrigen, braunen Masse bestrichen sind. Außerdem ein kleiner Haufen eines Gemischs aus Getreide, Eicheln und Knochenstücken. "Die Pfähle könnten eine Art Lebendfalle sein. An der klebrigen Masse bleiben die Vögel hängen und verenden dann", befürchtete der Naturschützer. Außerdem fand Jameson eine Lebendfalle mit Fischresten und Speck als Köder und überall auf der Wiese verstreute Tierknochen.

Marc Jameson mit der Lebendfalle (l.), Knochenstücke als Lockmit

Jameson meldete den Fund dem Ordnungsamt des Landkreises Schaumburg. Einen Tag später traf er sich mit Dr. Joachim Beug vom Amt für Naturschutz beim Landkreis Schaumburg, um ihm die Lebendfalle und die Pfähle zu zeigen. "Die Falle ist so sicher nicht legal", mutmaßte Jameson. Dr. Beug, der beim Landkreis der Unteren Naturschutzbehörde angehört und nicht der Jagdbehörde, konnte sich zwar einen Eindruck verschaffen, war sich aber nicht sicher, ob hier ein illegales Handeln vorlag. Er machte zahlreiche Fotos von der Falle, den Pfählen und der Umgebung undversprach, seine Eindrücke an die entsprechende Stelle weiterzuleiten. "Ich glaube allerdings nicht, dass es sich bei den Pfählen um Lebendfallen handelt. Eher ist die Masse ein Lockstoff. Hiermit könnten zum Beispiel Krähen angelockt und dann abgeschossen werden", vermutete Dr. Beug. Und er sollte fast recht behalten. Ein Gespräch mit dem Kreisjägermeister Heinrich Stahlhut-Klipp, brachte die notwendige Klärung. "Die Pfähle sind mit Buchenholzteer bestrichen", erläuterte Stahlhut-Klipp. Das sei ein Naturprodukt und werde als Lockmittel für Schwarzwild eingesetzt. "Wildschweine mögen den Geruch und reiben sich gernan solchen Pfählen, um sich von Parasiten zu befreien", so der Kreisjägermeister. Vögel könnten an den Pfählen nicht kleben bleiben. Lockzwecke erfülle auch der Getreidehaufen. "Dabei handelt es sich um eine so genannte Kirrung. Eine sehr gängige und völlig legale Art, Wildschweine in das Schussfeld der Jäger zu locken", erläuterte Stahlhut-Klipp. Fünf Hochsitz stehen in unterschiedlichen Abständen im Halbkreis um die Wiese. "Das muss hier ein Paradies für Jäger, aber nicht eben für Tiere sein", hatte Dr. Beug festgestellt. "Das Schwarzwild muss bejagt werden", meint dagegen der Kreisjägermeister. Gerade wegen der Schweinepest, die immer wieder auch Wildschweine befällt, müsse die Zahl der Tiere begrenzt gehalten werden. Außerdem gebe es für Schwarzwild keine Schonzeit. Auch Lebendfallen seien grundsätzlich erlaubt. "Noch bis zum 28. Februar ist Jagdzeit für Stein- und Baummarder, die mit Hilfe solcher Fallen gefangen werden", erklärte Stahlhut-Klipp, der sich Fotos von der Falle angesehen hat. Allerdings sollten die Lebendfallen aus Tierschutzgründen verblendet sein, damit die Tiere in ihrem Gefängnis nicht in Panik geraten, sondern ruhig darin sitzen bleiben, bis der Jäger sie von ihrem Schicksal "erlöst". Das sei allerdings eine Soll- und keine Mussbestimmung. Stahlhut-Klipp will sich aber mit dem Jagdpächter in Verbindung setzen und an ihn appellieren, die Lebendfalle zu verblenden. "Eine Ordnungswidrigkeit liegt hier nicht vor", zerstreut der Kreisjägermeister die Bedenken des Naturschützers. "Allerdings ist es gut, dass aufmerksame Menschen ihre Umgebung genau ansehen und solche Fälle melden. Denn natürlich gibt es auch unter den Jägern schwarze Schafe, die sich nicht an alle Jagdregeln halten." In diesem Fall sei aber alles korrekt.

"Paradies für Jäger": Die Wiese mit der Falle und den Lockmittel
  • "Paradies für Jäger": Die Wiese mit der Falle und den Lockmitteln, darunter mit Buchenholzteer bestrichene Pfähle, ist von Hochsitzen umstellt. Fotos: tol
0000440901-13-gross.jpg
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare