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Peter Henze und Vera Briewig machen auf Schloss Baum alles andere als nur platt deutsches Theater

Theater pur - zum Greifen nah dargeboten

Bückeburg. Wer bei dem Stück "De ole Buur un sin Öko-Deern" an eine der zahlreichen Verwechslungskomödien im Stil des Ohnsorgtheaters gedacht hatte oder bei nahezu inhaltsfreiem Laientheater seine Plattdeutschkenntnisse aufzubessern hoffte, der ist am Sonntagabend in Schloss Baum auf das Angenehmste enttäuscht worden. Denn "de ole Buur" Peter Henze "un sin Öko-Deern" Vera Briewig sind nicht nur altgediente Profis der norddeutschen Theaterszene, sondern kennen aus eigener Anschauung, was sie auf der Bühne spielen.

"Resi, i hol di mit mei'm Traktor ab ...". Zwei Stühle und ganz

Autor:

Joachim Angermüller

Peter Henze ist nicht nur der Gründer der Theaterwerkstatt Hannover, sondern zog nach 15 Jahren erfolgreichen Szenetheaters als Nebenerwerbslandwirt bei Nienburg auf das Land. Seine dort gemachten Erfahrungen mit konventionell wirtschaftenden Bauern verarbeitete der damals ökologisch angehauchte Stadtmensch im Stück von der Öko-Deern. Das Packende an dem Stück sind die emotionale Erzählweise und die oft hart gegeneinander geschnittenen Szenenwechsel im Seelenleben eines Landwirts. Der Rahmen - Witwer bleibt vom Sohn verlassen auf konventionell bewirtschaftetem, viel zu kleinem Bauernhof allein zurück - ist schnell erzählt. Doch dann schafft der Bauer seine Arbeitnicht mehr, und Landwirtschaftshelferin Rieke Steinbaum tritt in sein Leben. "Kerngedanke ist ein Gespräch zwischen mir als ökologisch orientiertem Neulandwirt aus der Stadt und einem benachbarten Bauern", sagt Peter Henze. Dieser überraschte Peter Henze an einem bierseeligen Abend mit den Worten: "Meinst Du, mir macht das Spaß, wenn ich die armen Schweine in meinem Mastbetrieb dicht an dicht und vom Computer gefüttert stehen sehe?" "Die Idee, dass es früher ja auch ohne EG-Normen und computergesteuerter Überproduktion von Billignahrung, aber mit Stolz auf die eigene Arbeit ging, ruht auch heute noch in jedem Landwirt", meint der Theatermacher. Und fügt hinzu: "Auch, wenn sich das heute Ökolandwirtschaft nennt." Unterbrochen von Erinnerungen an die verstorbene Frau, die schon immer gewusst hat, dass es nicht gut ist, gegen die Natur zu landwirtschaften, entspinnen sich immer neue Szenen, in denen der von der Agrarindustrie entwurzelte alte Bauer schrittweise zu seiner alten Arbeitsweise und mit seiner neuen Liebe ins Leben zurückfindet. Unterstützt von der hinzukommenden räumlichen Nähe zwischen Schauspielern und Publikum im Saal des Schlosses Baum hätte man am Ende für Sekunden eine Stecknadel fallen hören können, ehe die rund 50 Zuschauer in minutenlangen Applaus verfielen. "Besonders gut hat mir gefallen, dass der anfängliche Widerstand der Nachbarn auf dem Weg zum Ökobauern realistisch dargestellt wurde", sagt Zuschauer Rudolf Lichtsinn aus Petershagen. "Das war bei einem meiner Freunde, der jetzt erfolgreicher Ökobauer ist, auch so."

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