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„Eingewebt“ – Sonderausstellung im Schloss Brake

Teppiche mit Geschichte(n): Nur fliegen können sie nicht

Brake / Lemgo. Zwei Teppiche nur, das hört sich erst mal nicht nach Masse an, ja, man könnte der Ansicht sein, dass man die Exponate im Weserrenaissance-Museum im Schloss Brake vor den Toren der Stadt Lemgo quasi im Vorbeigehen anschauen kann. Hin und weg. Wiedersehen. Aber nein, so einfach ist es nicht. Denn erstens sind die zwei originalen flämischen Bildteppiche der momentanen Sonderausstellung „Eingewebt“ von besonderem Wert. Und zweitens umfasst die ständige Sammlung ausgewählte Objekte der Bereiche Architektur, Malerei, Graphik, Möbel, Festwesen, Tafelzier, Küche, Religion, Wissenschaft und Wirtschaft aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Für Zeitreisende wie geschaffen.

„Die Rückkehr der Kundschafter“: Dieser Bildteppich

Autor:

Jean LeGrand

Also auf, auf zum Museum, das sich im Schlosse an der Schlossstraße (wie könnte es auch anders sein…?) befindet. Das Gebäude wurde 1587 als Residenz der Grafen zur Lippe im Stil der Renaissance ausgebaut. Es ist von einem Wassergraben umgeben und steht auf den Grundmauern einer der größten mittelalterlichen Burgen Norddeutschlands. Der markante Turm macht es zum weithin sichtbaren Wahrzeichen der alten Hansestadt Lemgo. Hansestadt? Ja, tatsächlich: Lemgo war mal Hansestadt. Ist lange her.

Nun zu den Bildteppichen: Die Sonderausstellung rankt sich um zwei Bildteppiche, die dem Museum von der Staff-Stiftung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden sind. Umfangreiche Recherchen haben ergeben, dass es sich in beiden Fällen um Teppiche handelt, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sind. „Die Krönung Davids“ stammt aus Aubusson in Frankreich. „Die Rückkehr der Kundschafter“, ein Spitzenwerk aus dem 18. Jahrhundert, ist aus Brüssel. Sowohl die Werkstatt (van der Borcht) als auch die Entwerfer (Jan van Orley und Aurel Augustin Coppens) zählten zu damaliger Zeit zu den Besten ihres Fachs.

Die beiden Einzelstücke im Weserrenaissance-Museum waren jeweils Teil einer größeren Folge, die einen ganzen Raum auskleidete. Einer stammt aus einem Zyklus über Moses, der andere zeigt eine Szene aus der Davidsgeschichte. Moses und David, die von Gott berufenen Anführer eines von ihm auserwählten Volkes, waren bevorzugte Identifikationsfiguren der Herrscher in Renaissance und Barock. Über die Krönung Davids ist übrigens nur wenig bekannt.

Hergestellt wurde sie in Aubusson, einer Kleinstadt in Mittelfrankreich. Dort gab es viele kleine Werkstätten, die Teppiche für Kunden mit kleinerem Geldbeutel herstellten (kleiner Adel, Bürgertum, Kirche). An Qualität lag sie weit hinter den großen Manufakturen in Paris (Manufacture Royale des Gobelins) und Beauvais zurück. David war einer der beliebtesten Könige des Alten Testaments und diente vielen Herrschern als Identifikationsfigur. Seine Geschichte wurde oft auf Teppiche dargestellt.

Die umfangreichen Informationen sind direkt vor den Teppichen als Touchscreen-Präsentation bereitgestellt. Die Frage nach Technik, Material und Farbstoffen der Teppiche wird in einer Ausstellung im Kabinett aufgegriffen. Dort werden die Grundstoffe Wolle und Seide sowie Gold- und Silberlahn präsentiert. Außerdem finden sich dort die wichtigsten Grundsubstanzen für die historischen Färbeprozesse. Die Technik wird mit Modellen erläutert.

Um auch die Dauereinstellung einzubeziehen, stehen vor ausgewählten Objekten sieben Informationstafeln, die einen thematischen Bezug herstellen. Sie sind leitmotivisch mit Wollknäuel gekennzeichnet.

Weserrenaissance-Museum im Schloss Brake, Schlossstraße 18, Lemgo, Öffnungszeiten dienstags bis sonntags jeweils 10 bis 18 Uhr

Die Ausstellung „Eingewebt – Flämische Bildteppiche“ ist bis zum 30. Januar 2011 zu sehen.

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