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Mobile Feldküchen haben Tradition

Suppen – so deftig wie bei Muttern

Karl Rudolf Fissler aus Idar-Oberstein soll sie 1892 erfunden haben – die mobile Feldküche, umgangssprachlich auch gern „Gulaschkanone“ genannt. Dieser Anhänger, auf dem Suppe zubereitet werden konnte, war der erste seiner Art, der ausschließlich für Kochzwecke gebaut wurde. Er dient in vielen Armeen und beim Katastrophenschutz bis heute der Versorgung. Aber nicht nur dort. Sondern auch auf dem Wochenmarkt.

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Nicht mehr wegzudenken ist Lutz Last mit seiner Gulaschkanone „Last Supper“. Seit 15 Jahren gehört der 55-Jährige aus Hannover praktisch zum „Inventar“, verwöhnt Hungrige, die Deftiges lieben, mit Erbsen- und Linsensuppe. Zum „Kanonier“ ist der gelernte Industriekaufmann mit Wurzeln in der Gastronomie ganz zufällig geworden: Im Einkaufszentrum von Garbsen kam Last mit dem Vorbesitzer der Gulaschkanone ins Gespräch. Als er erfuhr, dass dieser sich von seiner mobilen Küche trennen wollte, schlug Last zu. Seither ist er tagein und tagaus auf den Wochenmärkten der Region zu finden, mittwochs und samstags in Hameln. Die Kunden kennen ihn und lieben seine Suppe: „Ich freue mich jeden Mittwoch darauf. Das ist ein Ritual“, sagt Roland Dohme, der an Last auch schätzt, dass er gern mal einen Witz erzählt.

„Hier kommt meine Freundin“, empfängt Last seine Stammkundin Inge Schmelz. Eine von vielen. 80 Prozent seiner Kunden kommen immer wieder. „Die Suppe hat die richtige Konsistenz“, schwärmt Inge Schmelz: „Sie ist nicht zu dick und nicht zu dünn.“ Eben wie bei Muttern.

Wasser, Erbsen (oder Linsen), Kartoffeln, Suppengemüse und gekörnte vegetarische Brühe listet Last als Bestandteile seiner Suppen auf. Die Maggi-Flasche steht griffbereit für alle, die noch einen Schuss Extra-Würze brauchen. 2 Euro kostet der Eintopf, mit Bockwurst 2,50 Euro. Und man muss ihn nicht auf dem Wochenmarkt löffeln, sondern kann auch den mitgebrachten Henkeltopf befüllen, oder für 50 Cent ein Gefäß entleihen. Das machen viele. „Ich hatte einen Stammkunden, der kam immer fünf vor eins“, erzählt Last: „Die Suppe stellte er zu Hause auf den Herd, rührte darin, wenn seine Frau mittags heimkam und sagte zu ihr: Guck’ mal wie schön ich koche, weil ich dich so lieb habe“, erinnert sich Last schmunzelnd.

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Den Namen „Gulaschkanone“ verdankt die mobile Küche ursprünglich einerseits der einer Radkanone ähnlichen Transportweise, andererseits ihrem schwarzen Rauchabzug, der nach hinten umgeklappt wurde, wenn das Gerät nicht in Gebrauch war. Befeuert wurde die Gulaschkanone früher vorzugsweise mit Holz. Moderne Feldkochherde werden mit Festbrennstoffen, Dieselöl oder auch – wie bei Lutz Last – mit Gas betrieben.

Seit November hat der „Kanonier“ aus Hannover Konkurrenz aus Stadthagen bekommen: Heinz-Dieter Schwarzlose baut immer mittwochs seine Feldküche vom Landcafé Blyinghausen auf und bietet jeweils zwei Eintöpfe an: Das Angebot reicht von Kartoffel-, Linsen- und Erbsensuppe über Chili con carne bis zum Grüne-Bohnen-Eintopf. Je nach Saison. Oder Lust und Laune der Köchin: Die heißt Sabine und ist Heinz-Dieter Schwarzloses Gattin. „Es sind alles Rezepte für Suppen, wie wir sie auch essen“, sagt der Feldküchen-Chef. Die Eintöpfe kosten von 2,50 Euro bis 3 Euro.

Auch bei ihm kann man nicht nur vor Ort die Suppe genießen, sondern ein Gefäß für 30 Cent entleihen, wenn man selbst keins dabei hat, und den Eintopf mit nach Hause nehmen möchte. „So allmählich entwickelt sich ein fester Kundenstamm“, ist Schwarzlose sicher: „Das braucht seine Zeit, aber wichtig ist, dass man regelmäßig da ist.“

Wer zu Last oder zu Schwarzlose kommt, liebt deftige Hausmannskost: „Das ist vor allem die ältere und die mittlere Generation“, haben beide festgestellt. Während die Älteren den Eintopf meist mit nach Hause nehmen, essen ihn die Jüngeren gern mittags vor Ort. Den längsten Weg hat Lasts Erbsensuppe übrigens bis nach Köln zurückgelegt: „Da rief einer an und fragte, ob ich meinen Eintopf auch eindose und verschicke“, erzählt der Hannoveraner. Das macht er zwar nicht, da er aber ohnehin in der Karnevalshochburg zu tun hatte, habe er zehn Liter eingefroren und dem Kunden mitgebracht, sagt Last.

Schön deftig! Erbsen- und Linsensuppe im Wechsel bietet Lutz Last aus seiner Gulaschkanone immer mittwochs und samstags auf dem Wochenmarkt an (o.). Seit November hat dort auch Heinz-Dieter Schwarzlose (li.) seine Feldküche aufgeschlagen. Er ist immer nur mittwochs da.

Fotos: Dana

Vom Hamelner Wochen- markt

berichtet

Karin Rohr

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