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Schüler wollen Entschuldigung, auch Lehrer zeigt sich "enttäuscht" / CDU unterstützt inhaltliche Ziele

Streit um Schulstreik: Kritik an CDU-Erklärung

Rinteln (crs). "Miteinander reden und nichtübereinander": Dieses Ziel hatte sich der CDU-Stadtverband gesetzt, als er Schüler, Lehrer und Eltern zur Diskussion einlud. Auslöser war die kontroverse Bewertung des Schulstreiks vom 12. November: Rintelner Gymnasiasten fühlten sich durch die Bewertung von CDU-Pressesprecher Sebastian Westphal angegriffen und zu Unrecht in die Nähe der Antifa gerückt (wir berichteten). Zur Aufarbeitung beitragen sollte die Diskussion am Mittwoch, zu der Thomas Kliewer als Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft eingeladen war.

Engagierte Schüler: Steffen Meier (v.l.), Katharina Lange, Chris

Kliewer hatte als Polizist im Einsatz am 12. November in Hannover miterlebt, wie eine friedfertige Demonstration von militanten Autonomen unterwandert worden war. Die Proteste mehrerer tausend Schüler seien nahezu ungehört verhallt, weil einige wenige Gewaltbereite die Situation für ihre Zwecke ausgenutzt hätten: "Militante haben die Demonstration als Bühne genutzt." Die Polizei habe die Situation als "reinen Verkehrslenkungseinsatz" im Vorfeld unterschätzt: "Beim nächsten Mal werden es deutlich mehr Kräfte sein." Kliewer, selber Vater einer 13-jährigen Tochter, betonte sein Verständnis von Demonstrationen als "gelebte Demokratie" - die im Übrigen auch der Polizei zustehe: "Einen Tag später waren wir selber auf der Straße und haben gegen Besoldungsrückstände demonstriert." Der Polizeigewerkschafter forderte für künftige Demonstrationen aber eine geschärfte Sensibilität - eben damit sich potenzielle Randalierer nicht hinter dem "Schutzschild Masse" verstecken könnten. Nicht der Schulstreik als solcher, sondern die kritische Einordnung der Proteste durch die Rintelner CDU stand im Mittelpunkt der nachfolgenden Diskussion. Rintelner Gymnasiasten - allen voran Katharina Lange, Christian Döring und Lioba Ufer, die am Ernestinum mit Infoblättern zum Streik eingeladen hatten - wehrten sich ebenso wie Elternvertreter gegen den in der Öffentlichkeit entstandenen Eindruck, die Schülerdemonstranten hätten sich von linksextremen Kräften vereinnahmen lassen, und forderten von Westphaleine "Zurücknahme der Anschuldigungen". Die geforderte Entschuldigung mochte Westphal so dezidiert nicht über die Lippen kommen, er betonte aber, hinter inhaltlichen Forderungen zu stehen: "Schade, dass wichtige Ziele so in den Hintergrund gerückt sind." "Ein bisschen enttäuscht" von der CDU zeigte sich Michael Pavel als stellvertretender Schulleiter des Ernestinums: "Diese jungen Menschen entwickeln gerade erst Bürgersinn - da ist eine solche Reaktion kontraproduktiv." Denselben Eindruck hatte Richard Bischof, Mitglied der Schülervertretung am Gymnasium: "Sie haben Schülern und Eltern den Mut genommen, am 24. Januar zur nächsten Demo zu gehen." Da aber sollen dann wirklich die Probleme der Schullandschaft im Vordergrund stehen. Christian Döring kritisierte Studiengebühren ("Bildung muss frei sein") ebenso wie das Abitur nach zwölf Jahren ohne durchdachte Lehrpläne und forderte mehr Integration: "Ausländer haben einen schweren Start ins deutsche Bildungssystem." Diesen Aspekt stützte Pavel: Vor zwei Jahren sei unter 110 Abiturienten ein einziger mit Migrationshintergrund gewesen - "für viele Kinder ist der Zug schon abgefahren, wenn sie in die Grundschule kommen", betonte Pavel die Bedeutung früher Sprachförderung. Katharina Lange ergänzte den Katalog der Forderungen um den Wunsch nach kleineren Klassenverbänden: "35Kinder in einer Klasse sind zu viel." Da immerhin sind CDU und Schüler einer Meinung. Und deswegen soll David McAllister als CDU-Landtagsfraktionsvorsitzender am 13. Januar beim Neujahrsempfang der CDU von Stadtverband und Schülervertretern gemeinsam eine Liste mit Forderungen überreicht bekommen. Denn, so formulierte es Zuhörer Olaf Dube als Vater einer Achtklässlerin treffend: "Wir müssen den Finger so oft wie möglich in die Wunde legen." Und miteinander reden. Der Anfang dürfte gemacht sein.

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