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Vor Gericht: Berufungsprozess gegen Bielefelder (60) / Fortsetzung am Mittwoch

Streit mit der Ex, kein Führerschein: Saß Angeklagter trotzdem am Steuer?

Rinteln/Bückeburg (maf). Vom Amtsgericht Rinteln wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, wird der Prozess gegen einen 60-jährigen Bielefelder nun vor der Berufungskammer des Bückeburger Landgerichts neu aufgerollt. Der Ostwestfale soll im Sommer 2005 mit seinem Renault in Krankenhagen unterwegs gewesen sein, obwohl ihm die Fahrerlaubnis entzogen worden war.

Auch in der Neuauflage des Verfahrens bestritt der einschlägig vorbestrafte Angeklagte den Vorwurf und behauptete, er habe sich an jenem Tag in Suhl aufgehalten. Außerdem sei der defekte Renault damals überhaupt nicht fahrbereit gewesen. Belastet wurde er dagegen von der Tochter seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Die heute 31-Jährige sagte aus, dass sie den Mann am Steuer seines Autos gesehen hatte. Demnach tauchte der Angeklagte am 1. Juli 2005 mit dem Renault in Krankenhagen auf und klingelte in der Mittagszeit bei ihr. Die junge Frau öffnete die Haustür und sprach kurz mit dem Mann, von dem sich ihre Mutter im Streit getrennt hatte. Sie teilte ihm mit, dass die Mutter nicht bei ihr sei, und beobachtete, wie der Bielefelder in den Wagen einstieg und davonfuhr. Am nächsten Tag ging die Zeugin zur Polizei und erstattete Anzeige wegen einer Bedrohung, die der 60-Jährige angeblich ausgesprochen haben soll. Dabei erwähnte sie beiläufig, dass der Mann am Vortag mit dem Pkw bei ihr vorgefahren war. Einen Führerschein, so stellte sich schnell heraus, besaß er damals gar nicht. Dem Leitenden Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer und der Kammer unter Vorsitz von Richter Friedrich von Oertzen präsentierte der Ostwestfale jetzt eine Reihe von Entlastungszeugen. Ende Juni 2005 will er mit dem Zug nach Suhl gereist sein, um seine neue Freundin zu besuchen. Am Morgen des 2. Juli habe ihn ein Bekannter dort abgeholt und zu seiner Tochter nach Barntrup gefahren, die an jenem Tag ihren 18. Geburtstag feierte. Sowohl der Bekannte als auch die Tochter bestätigten diese Angaben. Ferner soll der auf den Namen einer Arbeitskollegin zugelassene Renault im Sommer 2005 überhaupt nicht fahrtauglich gewesen sein. Nachdem der Zahnriemen gerissen war, will der Mann etwa ein halbes Jahr an dem Auto gebastelt haben. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Dann sollen die frühere und die jetzige Lebensgefährtin des Angeklagten vernommen werden.

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