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Niederländischer Investor streitet mit Gesellschaftern von Münder Pellets um geleistete Zahlungen

Statt Gewinn mit Pellets ein Termin vor Gericht

Bad Münder/Hannover (jhr). Aus der Traum von der Partnerschaft, in der mit einer guten Idee gemeinsam Geld verdient werden sollte: Gestern trafen sich die Vertreter von „Münder Pellets“ und der Rechtsbeistand von „Bassam Deutschland“ vor der 6. Kammer für Handelssachen des Landgerichts Hannover.


2007 hatten sich der mündersche Ratsherr Johannes Weidner, die ehemalige Ratsfrau Sabine Jonas und Burkhard Hansen den Investor Sam van Norel ins Boot geholt, um ihren Traum von einer Holzpellet-Fabrik im Gewerbegebiet „Rascher Ort“ in die Tat umsetzen zu können. Der Niederländer war bereits eng mit dem Gewerbegebiet verbunden, mit seiner Firma Bassam Deutschland hatte er sich mit der Hamelner Firma Inplan zur Erschließung des „Raschen Ortes“ zusammengetan.

Der gemeinsame Plan: Für 28 Millionen Euro sollte eine Pellet-Fabrik errichtet werden. Geld wollten die Partner mit dem Verkauf der Pellets und der Einspeisung von Strom in das öffentliche Leitungsnetz verdienen. Zunächst schienen sich die Parteien einig, doch dann platzte der Deal – der Vorsitzende Richter Hans-Dietmar Warda bemühte sich gestern, die Ursachen dafür zu beleuchten.

Vor Gericht trafen die Parteien aufeinander, weil Investor Bassam Deutschland bereits gezahltes Geld von der Firma Münder Pellets zurückverlangt. Doch die verweist auf den „vertragswidrigen“ Ausstieg von Bassam, zudem sei das Geld in die gemeinsame Planung geflossen. Um rund 45 000 Euro soll es gehen – vor Gericht sorgte jedoch gestern eine weitaus höhere Summe für Verwirrung: Sechs Millionen Euro Gesellschafterdarlehn wollte Bassam für das Projekt zur Verfügung stellen, doch das Geld ist nie geflossen. Die Seite mit der entsprechenden Absichtserklärung fehlte jedoch in den der Kammer vorliegenden Kopien der Vertragsunterlagen, und somit sahen sich Richter Warda und die beiden anwesenden Handelsrichter nicht in der Lage, zu einer abschließenden Beurteilung zu kommen.

Überaus deutlich äußerte sich Warda allerdings zu der Arbeit des Notars, der die Verträge zwischen Münder Pellets und Bassam Deutschland beurkundet hat: „Dass dem Notar nicht der Streit verkündet wurde, verstehe ich eigentlich nicht.“ Wenn die Verträge als „völliger Quatsch“ bezeichnet würden, „liegt man nicht mal weit daneben“, so Warda. Bei der Lektüre der Verträge hätten ihn einige Passagen „völlig fassungslos“ gemacht – und weil Warda selbst Notariats-Prüfer ist, behält er sich vor zu prüfen, ob er den Vorgang der Notariats-Aufsicht vorlegt.

Da die Kammer zunächst in eine Güteverhandlung eingestiegen war, deutete der Richter einen möglichen Kompromiss an: Die Gesellschaft zahlt die Notariatskosten, die Klägerin Bassam „lässt ihr reingeschobenes Eigenkapital da, wo es liegt“, die Gesellschafter haben keinen Anspruch auf Bezahlung ihrer Arbeit für die Gesellschaft. „Sie können auch gleich ein Urteil haben, aber das wird derzeit nicht so ausfallen, dass beide Parteien damit glücklich werden“, so der Vorsitzende Richter. Die Parteien nahmen seinen Vorschlag einer Vertagung an – sie treffen sich am 10. August erneut vor Gericht.

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