weather-image
19°
Elektroingenieur Nguyen Le möchte Online-Einkaufssystem in der Kurstadt etablieren

Start-up in Bad Münder

Bad Münder. Den Begriff Start-up haben die meisten schon einmal gehört. Er beschreibt eine kürzlich gegründete Firma, die sich in der ersten Phase des Lebenszyklus befindet. Dabei handelt es sich meist um eine innovative Geschäftsidee. Als solche könnte man das Unternehmen von Khanh Nguyen Le sicherlich bezeichnen. Der Elektroingenieur hat ein elektronisches Einkaufssystem entwickelt, das unter dem Namen „Kaufhaus Bad Münder“ an den Start gehen soll.

270_008_7766612_lkbm_lieferservice_prio_0123.jpg

Autor:

MIra Colic

Im ersten Moment klingt die Idee nicht neu, viele Einzelhändler – durchaus auch kleine Geschäftsleute – haben einen Versandhandel über das Internet etabliert, um gegen die großen Onlineshops bestehen zu können. Das Einkaufssystem des gebürtigen Vietnamesen würde sich jedoch zwischen den Kunden und das Geschäft schalten, um Bestellung sowie Lieferung abzuwickeln. In Hachmühlen hat der 30-jährige Firmengründer bereits Büroräume angemietet. In Kürze möchte er ein Lieferfahrzeug kaufen. Gespräche mit der Einzelhändler-Initiative „Einkaufen in Bad Münder“ habe es bereits gegeben, „einige Mitglieder haben uns auch schon ihr Interesse signalisiert“, erklärt Jürgen Massute, der Nguyen Le als Berater zur Seite steht. Der 74-Jährige betreut über den „Senior Experten Service“ (SES) ehrenamtlich junge Leute, die Schwierigkeiten haben, in Ausbildung oder Beruf zu kommen. Als ehemaliger Arbeitsamt-Direktor ist Massute erfahren auf dem Gebiet.

Seinen Rat eingeholt hat Nguyen Le erstmals vor zwei Jahren, nachdem er seinen Uni-Abschluss in der Tasche hatte. „Ich hatte schon während des Studiums darüber nachgedacht, einen digitalen Einkaufsservice aufzubauen“, sagt der Elektroingenieur. Als er dann keine adäquaten Berufstätigkeit fand, entschloss er sich, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Der Kontakt zu Bad Münder kam durch Heinrich Dreyer zustande. Das ehemalige Vorstandsmitglied der Wirtschaftsvereinigung ist ebenfalls als Experte beim SES tätig. Massute hatte ihn gebeten, bei der Erarbeitung des Businessplans behilflich zu sein. Steuerberater Dreyer sah in Bad Münder für das Vorhaben gute Voraussetzungen, aufgrund der hohen Zahl an älteren Mitbürgern und Berufstätigen – den Hauptzielgruppen.

Und für Massute sind die Vorteile, die das Vorhaben der Stadt bringen würden, eindeutig: „Gerade alte und kranke Menschen sind nicht mehr auf die Hilfe Dritter angewiesen.“ Und für Bad Münder würden zwei Standortnachteile entfallen: „Die schlechte Verkehrsanbindung aus manchen Ortsteilen spielt dann keine Rolle mehr und die Parkplatznot ist auch Geschichte.“ Natürlich profitiere auch der regionale Einzelhandel, weil nicht jeder Selbstständige einen teuren Online-Versandhandel benötige.

So soll das „Kaufhaus Bad Münder“ funktionieren: Die Bestellung soll online oder über einen Anrufservice erledigt werden können. Jeder Kunde soll ein eigens dafür konzipierten Tablet-PC erhalten, auf dem die Produkte aller teilnehmenden Geschäfte hinterlegt sind – die Software ist noch in der Entwicklung. Die Lieferung soll in der Anfangszeit innerhalb von zehn Stunden erfolgen. Für den Kunden würden pro Bestellung 5 Euro Lieferkosten anfallen.

Zu hohe Erwartungen möchte Massute nicht wecken: „Ich wäre kein guter Berater, wenn ich zu euphorisch an dieses Unternehmen herangehen würde. Aber wir sind durch die bisherige positive Resonanz doch optimistisch gestimmt.“

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare