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Warum es immer schwieriger wird, kompetente Bewerber zu finden und wie man andernorts verfährt

Stadtmanager – in Hameln ohne Perspektive?

Hameln (kar). Was läuft schief in Hameln? Diese Fragen stellen sich viele, nachdem Stefan Schlichte gekündigt hat und nunmehr der dritte Stadtmanager in Folge innerhalb kurzer Zeit das Handtuch wirft. Wo die „sachlichen Gründe“ für das Scheitern des Stadtmanagers liegen könnten, hat Michael Kolzuniak, Vorsitzender des Stadtmarketing- und Verkehrsvereins, im Gespräch mit der Dewezet bereits dargelegt: Die Rahmenbedingungen für den Job des Stadtmanagers stimmen nicht.

Besucher und Kaufkraft nach Hameln zu locken – das ist ein

Hameln (kar). Was läuft schief in Hameln? Diese Fragen stellen sich viele, nachdem Stefan Schlichte gekündigt hat und nunmehr der dritte Stadtmanager in Folge innerhalb kurzer Zeit das Handtuch wirft. Wo die „sachlichen Gründe“ für das Scheitern des Stadtmanagers liegen könnten, hat Michael Kolzuniak, Vorsitzender des Stadtmarketing- und Verkehrsvereins, im Gespräch mit der Dewezet bereits dargelegt: Die Rahmenbedingungen für den Job des Stadtmanagers stimmen nicht. „Stadtmarketing wie bisher kann und wird es künftig nicht mehr geben, weil es so nicht funktioniert“, sagt Kolzuniak: „Wir müssen über veränderte Strukturen nachdenken.“

Rückendeckung erhält Kolzuniak nicht nur von seinem Vorstand, sondern auch von Mitgliedern und Sponsoren des Stadtmarketingvereins, der sich auf ein Netzwerk von mehr als 400 Unternehmern, Finanzdienstleistern, Geschäftsleuten und Gastronomen stützt. Zu den Hauptsponsoren zählt die Volksbank Hameln-Stadthagen. Ihr Vorstandsvorsitzender HeinzWalter Wiedbrauck spricht von „strukturellen Fehlern“ im Konstrukt von Stadtmarketing und Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT). Die Kompetenzen seien ungleich verteilt: Das müsse sich ändern. Zum Verständnis: Der Stadtmanager ist zwar Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins, aber gleichzeitig als Prokurist in Diensten der HMT dem HMT-Geschäftsführer Harald Wanger untergeordnet. Das heißt: Es gibt keine Gleichstellung und damit auch keine echte Doppelspitze. Die aber wäre das „Minimum“ in Wiedbraucks Augen: „Der Stadtmanager muss entweder gleichberechtigt neben dem HMT-Geschäftsführer stehen oder beide Bereiche müssten sauber getrennt werden“, fordert der Volksbank-Chef. Für ihn bleibt dies allerdings nur die suboptimale Lösung: „Ideal ist eine Person für alles – für Tourismus u n d Stadtmarketing“, findet Wiedbrauck. Stefan Schlichtes Weggang bedauert er zutiefst: „Er hat sehr, sehr gut gearbeitet.“ Allen Widrigkeiten zum Trotz; denn: „Als Prokurist hat Schlichte keinen Zugang zu den Ressourcen gehabt“, sagt Wiedbrauck und ärgert sich: „Was hier gemacht worden ist, ist zu Lasten des Einzelhandels und damit zu Lasten Hamelns gegangen.“ Schließlich sponsere die Volksbank Hameln-Stadthagen das Stadtmarketing so stark, weil in der Stärkung des Hamelner Geschäftslebens das Zukunftspotenzial dieser Stadt liege. Einer Stadt, die nichts mehr zu bieten habe, könne auch der Rattenfänger nicht mehr helfen.

Fakt ist: „Drei Stadtmanager haben Hameln verlassen, und es wird immer schwieriger mit den vorhandenen Rahmenbedingungen einen guten neuen Stadtmanager zu finden“, ist Susanne Treptow, Geschäftsführerin der im Stadtmarketing finanziell stark engagierten Stadtwerke, sicher.

„Wir haben zwei erfolgreichen Stadtmanagern keine Perspektive bieten und sie so nicht halten können“, findet auch Alois Drube, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Hameln, die zu den Hauptgeldgebern für das Stadtmarketing zählt. Da müsse man schon die Gründe klären und analysieren. Drube: „Und dann die Dinge verändern, die notwendig sind, um wieder erfolgreich Stadtmarketing zu machen.“

Schlichtes Vorgänger, Mario Schiefelbein, der heute im thüringischen Gotha Stadtmanager ist, sagt rückblickend: „Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass ein Konstrukt wie in Hameln in der Praxis durchaus zu Problemen führen kann. Schließlich ist der Verein gleichberechtigter Gesellschafter der HMT, sein Geschäftsführer steht in der HMT-Hierarchie faktisch aber unter dem HMT-Geschäftsführer. Damit werden beide Abteilungen augenscheinlich unterschiedlich gewichtet.“ Er weiß, wovon er redet, ist er doch selbst immer wieder in Hameln an unüberwindliche Grenzen gestoßen. Und er kann als Stadtmanager der 48 000-Einwohner-Stadt Gotha Vergleiche ziehen: „Gotha hat da einen ganz anderen Weg gewählt. Die KulTourStadt Gotha GmbH steht als Abkürzung für die Bereiche Kultur, Tourismus und Stadtmarketing“, erklärt Schiefelbein und führt aus: „Die Stadt suchte im vorigen Jahr einen Geschäftsführer mit Kompetenzen beziehungsweise Erfahrungen auf allen Geschäftsfeldern, der mit seinen Abteilungen entsprechend sämtliche Fäden in der Hand hält.“ Es gebe in der Residenzstadt Gotha kein separates Kulturamt, und die von Unternehmen, Einzelhändlern und anderen gegründeten Vereine seien keine Gesellschafter, sondern steuerten ihre Unterstützung auf anderem Wege bei. Schiefelbein: „Die Stadt bündelt also sämtliche Ressourcen und fährt sehr gut damit. So kann der Geschäftsführer eine Dachmarke entwickeln und sie – mit der nötigen Autorität ausgestattet – federführend in allen Bereichen umsetzen.“

Ein Vorbild auch für Hameln? Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann will sich auf derlei Gedankengänge (noch?) nicht einlassen. „Ich warte erst mal ab, was mir von Stefan Schlichte als Gründe für seinen Weggang genannt wird.“ Die Diskussion struktureller Veränderungen sind für Hamelns „First Lady“ zurzeit kein Thema: „In der Richtung gab es nach Herrn Schiefelbeins Weggang schon einmal Überlegungen. Aber ob das ein Thema ist, das Herrn Schlichte bewegt , weiß ich nicht.“ Lippmann wartet ab: „Wir werden das im Aufsichtsrat erörtern und dann eine Meinung finden müssen.“

Der noch bis zum 1. September als Stadtmanager amtierende Stefan Schlichte bekräftigt unterdessen, dass alle von ihm ins Auge gefassten Veranstaltungen trotz seines Ausscheidens wie geplant über die Bühne gehen werden: Dazu zählen die WM-Aktionen und das Weinfest im Juli, aber auch der Herbst- und Bauernmarkt Ende Oktober und das Late-Night-Shopping im Dezember.

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