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Stadt-Galerie ist Fluch und Segen zugleich

Wer Wahrheit sucht, findet sie im Widerspruch. Für Hameln ist das ECE-Center Fluch und Segen zugleich. Es lockt mehr Menschen in die Stadt, aber auch mehr Menschen aus der Stadt in die Shopping-Enklave. Selbst wenn man der Gutachter-Logik folgt und allem Übel der letzten Jahre den Namen Hertie und Quelle gibt, kommt man an einer Feststellung nicht vorbei: Die Stadt-Galerie fleddert den alteingesessenen Handel. Nur über das Ausmaß der innerstädtischen Umverteilung lässt sich streiten.

Autor:

Frank Werner

Auch ohne Konkurrenz durch die Stadt-Galerie hätte die Osterstraße an Zulauf verloren, aber in diesem Ausmaß? Ein Umsatz-Minus von 15 Prozent für den alten Innenstadt-Handel insgesamt ist ein mittlerer Erdrutsch, der durch pauschales Rausrechnen von Hertie und Quelle nicht zur Erfolgsgeschichte wird. Das Argument der Gutachter trägt nur bedingt: Zwar haben die Insolvenzen andere Ursachen, aber in der Umsatzbilanz fällt so ein beträchtlicher Teil der konkurrierenden Verkaufsfläche in eher schwieriger Lage einfach unter den Tisch. Auch die Geschichte der Nachnutzung zeigt, wie schwer es im Umfeld der Galerie ist, neue und hochwertige Angebote zu etablieren.

Keine Frage: Die Sogwirkung, die das ECE-Center auf das Umland ausübt, ist vorhanden. Aber es ist vor allem ein Effekt, der die eigene Kasse klingeln lässt. Diesen Verdacht nährt auch der Blick auf die vom ECE vermessenen Einzugsgebiete für die Hamelner Stadt-Galerie und das Wesertor-Projekt in Minden. Das Argument, die Kaufkraft-Importe würden für die Innenstädte positiv überwiegen, gewinnt durch die enorme Schnittmenge beider Center nicht gerade an Plausibilität. Setzt man voraus, dass die gemeinsame Mutter keinen übermäßigen Hang zur Selbstkannibalisierung entwickelt hat, lässt sich die gegenseitige Grenzübertretung nur so erklären: Entferntere Kunden fallen quantitativ kaum ins Gewicht.

f.werner@dewezet.de Kommentar

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