weather-image
Anklage hält Kaninchenzüchter für überführt

Staatsanwalt fordert dreieinhalb Jahre Haft

Nienstädt/Bückeburg (ly). Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Vergewaltiger aus der Samtgemeinde Nienstädt hat Staatsanwalt Frank Hirt dreieinhalb Jahre Haft gefordert. Dem Angeklagten (61) wird vorgeworfen, ein zehnjähriges Mädchen aus dem Kaninchenstall in seine angrenzende Wohnung gezerrt und der Kleinen dort sexuelle Gewalt angetan zu haben. Passiert sein soll die Tat vor sechs Jahren in den Sommerferien.

Bis heute, so Hirt, habe das Opfer die Vergewaltigung nicht verarbeitet und sei "im schwersten Maße traumatisiert". Die junge Frau zeige Tendenzen zum Selbstmord, leide an Ess- und Schlafstörungen und verletzte sich selbst. In der belastenden Aussage der mittlerweile 16-Jährigen sieht der Ankläger "ein besonders hohes Maß an Authentizität, also wahrhaft Erlebtem". Zugunsten des Angeklagten, der die Vorwürfe unverändert bestreitet, spricht aus Sicht der Staatsanwaltschaft nur eins: dass die Tat bereits sechs Jahre zurückliegt. "Ein Umstand, der sich strafmildernd auswirkt, obwohl der Angeklagte dafür gar nichts kann", sagte Hirt vor dem Bückeburger Jugendschöffengericht. Das Mädchen, eine frühere Nachbarstochter, hatte den Kaninchenzüchter als "netten Mann" kennen gelernt, dem sie so etwas nie zugetraut hätte. Sicher, es habe schon einmal "einen Klaps auf den Pöter" gegeben. Aber das fand sie "eigentlich nicht so schlimm". An jenem verhängnisvollen Tag in den Sommerferien 2000 soll der Nienstädter dann ein völlig anderes Gesicht gezeigt haben. "Die ganze Zeit habe ich um Hilfe geschrien, aber keiner konnte mich hören, denn es war ja keiner da", vertraute die 16-Jährige im Vorfeld der Gerichtsverhandlung einer Diplom-Psychologin und Prozessgutachterin an, nach deren Erkenntnissen die gesamte Aussage "mit hoher Wahrscheinlichkeit" auf Erlebnissen beruht. "Ich habe versucht, mich zu wehren, aber er wurde immer aggressiver", zitierte die Sachverständige das mutmaßliche Opfer weiter. "Stell dich nicht so an", soll der Mann dem Kind nach der Vergewaltigung hinterher gerufen haben. Eigenen Angaben zufolge saß das Mädchen anschließend stundenlang allein im Feld. "Mir tat alles weh, und es hat immer noch geblutet." Der Prozess wird am heutigen Donnerstag fortgesetzt.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare