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„Eine Nacht in Venedig“ mit delikatem Schwung und ironischem Pep

Spritzige Walzer-Süffigkeit

Bad Münder (hm). Venedig ist für den Nordeuropäer der Inbegriff der romantischen Traumstadt, in der Wunsch und Utopie, Realität und Illusion, Ironie und Satire ein Maskenspiel des schönen Scheins herbeizaubern. Vor diesem Hintergrund spielt die Operette „Eine Nacht in Venedig“, Johann Strauß’ beliebtestes Bühnenstück. Die Partitur gehört zu den stärksten Arbeiten des Walzerkönigs, während das Libretto des Werkes eher zu den schwächeren des sonst so erfolgreichen Autorenduos Friedrich Zell und Franz-Friedrich-Richard Genée zählt. Für das Ensemble Operamobile war genau das Anlass, seine eigene, unverwechselbare Erzählung von „Eine Nacht in Venedig“ auf die Bühne des Martin-Schmidt Konzertsaales zu bringen.

Eva Frink und Bettina Delius – versteckt hinter Masken.

So erlebte das Publikum bei gleich zwei Aufführungen die Geschichte um die schöne Barbara, die den Karnevalsabend lieber mit ihrem Geliebten als mit dem Herzog von Urbino oder ihrem Mann verbringen möchte, als herrlich unkomplizierten Bühnenspaß. Das Geflecht beliebter Gesellschaftstänze wie Walzer, Mazurka und Polka schuf im roten und blauen Bühnenlicht eine Atmosphäre von südlichem Flair und venezianischem Volksleben.

Auch wenn die Lichtanlage unmittelbar nach Beginn der Vorstellung kurzzeitig ihren Geist aufgab, gelang es Operamobile erneut, mit wenig Bühnenpersonal, stimmungsvollem Bühnenbild und geschickter Lichtregie das Publikum im ausverkauften Konzertsaal in seinen Bann zu ziehen und glänzend zu unterhalten. Neu im Ensemble sang Svjatoslav Martynchuk mit feinem lyrischen Tenor einen bezaubernden Caramello. Eva Frink war nicht nur eine resolute, aber charmante Ciboletta, sondern auch beim „Konzert auf dem Markusplatz“ ein wunderbar androgyner Cherubino aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Le Nozze die Figaro“. Neu auch Artur Pacewitc am Klavier, der zusammen mit Jürgen Flemming, Violine, die Straußschen Klangfarben zum Blühen brachte.

Alle übrigen Operamobilé-Künstler erlebte man in gewohnter Qualität: Alexander Senger als beredten Makkaronikoch Papacoda, Tadeusz Galczuk als strahlend tenoralen Herzog und Bettina Delius als hinreißende Annina. Stehender Applaus zum Ende der Aufführung war der wohl schönste Dank für diese ausgezeichnete Operettendarbietung.

Neu im Ensemble: Svjatoslav Martynchuk. Fotos: hm
  • Neu im Ensemble: Svjatoslav Martynchuk. Fotos: hm
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