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Vor Gericht: 5400 Euro Geldstrafe

"Spieß" beim Zechen außer Rand und Band

Bückeburg (ly). Antreten vor dem Amtsgericht: Erneut ist ein Besäufnis in der Heeresfliegerwaffenschule zum Fall für die Justiz geworden. Auf der Anklagebank saß ein Berufssoldat (40), der im betrunkenen Zustand völlig aus der Rolle gefallen war. Das Urteil: 5400 Euro Geldstrafe, umgerechnet drei Monatseinkommen. Zuvor hatte der 40-Jährige sich schuldig bekannt, als Kompaniefeldwebel Untergebene körperlich misshandelt, genötigt und "entwürdigend behandelt" zu haben, wie es im Gesetz heißt.

Konkret: Bei einem Gelage hatte der "Spieß" die Hand eines Hauptgefreiten genommen und damit zweimal einen Flieger ins Gesicht geschlagen. Einen Stabsunteroffizier forderte der offenbar außer Rand und Band geratene Mann auf, sich medizinisch versorgen zu lassen. Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, zerrte der Kompaniefeldwebel das Opfer am Arm weg und drohte: "Melde dich in zehn Minuten zurück, sonst schlag' ich dir die Fresse aus dem Gesicht." Passiert waren die Ausraster auf einem feuchtfröhlichen Fest der 6. Inspektion im September vergangenen Jahres. Mit steigendem Alkoholpegel war die denkwürdige Veranstaltung in der Jäger-Kaserne zumindest stellenweise etwas außer Kontrolle geraten. "Hochprozentiges kann ich nicht vertragen", erklärte der 40-Jährige, der sich an die Vorfälle angeblich nicht mehr erinnern kann. Ursprünglich hatte der Angeklagte einen Strafbefehl über 120 Tagessätze bekommen, gegen die schriftliche Verurteilung aber Einspruch eingelegt. In der nötig gewordenen Verhandlung senkte das Gericht die Strafe dann mit dem Segen von Staatsanwalt Günter Wilkening auf 90 Tagessätze. Begründung: Erstens hätten die Opfer keine Verletzungen erlitten, zweitens handele es sich bei der Sache mit dem Flieger um einen minder schweren Fall. Voraussichtlich drohen dem Soldaten nun keine internen Maßnahmen der Bundeswehr mehr. Erst über 90 Tagessätzen, also drei Monatseinkommen, wird es normalerweise kritisch. Im Vergleich zu Fällen mit angeklagten Zivilisten fiel die Strafe dennoch recht hart aus, obwohl der 40-Jährige nicht vorbelastet ist. Der Grund: Bei einem Teil der Vorwürfe handelte es sich um Taten nach dem Wehrstrafgesetzbuch. "Und das geht deutlich höher ran", wie Richter Armin Böhm erklärte. Von Vorgesetzten werde eine Vorbildfunktion erwartet. "Wer über die Stränge schlagen will, sollte es außerhalb des Kasernengeländes tun", erklärte Böhm dem Angeklagten. Erst im Dezember hatte das Amtsgericht einen früheren Hauptfeldwebel der Heeresfliegerwaffenschule zu 2600 Euro Geldstrafe verurteilt (wir berichteten). Auch dieser Soldat war beim Zechen rüde mit Untergebenen umgesprungen. Außerdem hatte er in der "Hölle", einem Kellerraum, mit leeren Bierflaschen geworfen. Splitter trafen seinerzeit einenHauptmann am Auge.

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