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Schluss mit 67: Fußballschuhe kommen an den Nagel

"Spatz" Seifert hat sogar uns Uweübertrumpft

Obernkirchen. Das passt zu Ludwig Seifert, der gern auf seinen im Pass eingetragenen Vornamen verzichtet: "Ich habe mich daran gewöhnt, dass alle Welt mich "Spatz" nennt, also kann es dabei bleiben", sagt er. Für einen 67-Jährigen ist das schmusige Kosewort sicherlich etwas ungewöhnlich. Aber ungewöhnlich ist der ganze Mann, der mit Leib und Seele Fußballer war und jetzt mit diesem Sport Schluss gemacht hat.

Urkunden und Pokale ohne Ende schmücken das Heim von "Spatz" Sei

Autor:

Siegfreid Klein

Der Zeitpunkt mag zufällig gewählt sein, denn "Spatz" Seifert hat keine gesundheitlichen Gründe für diesen Schritt. "Ich bin noch fit wie ein Turnschuh und spiele ja noch mit gutem Erfolg Tennis", bestätigte uns der stringente Nichtraucher. Auf der anderen Seite absolvierte er sein letztes offizielles Fußballspiel vor kurzem bei der Niedersachsenmeisterschaft der Alt-Alt-Herrenteams. Und auch das passt zu der großartigen sportlichen Karriere des Obernkircheners. Das Adjektiv "großartig" hat sicherlich ein Mann verdient, der sich als 50-Jähriger noch einmal in das Tor der ersten Mannschaft des SV Obernkirchen stellte und damit seiner Mannschaft beim entscheidenden Abstiegskampf gegen Rinteln zum Erhalt der Bezirksliga verhalf. Damals war sein Nachfolger Michael Scherf verletzt. "Spatz" Seifert ist so bodenständig geblieben wie einst Klaus Kramer und Fritz Kemker beim VfL Bückeburg. Nicht ohne Grund ist auch Uwe Seeler sein Vorbild. "Der war und ist noch immer gradlinig, solide, vereinstreu und eine grundehrliche Haut", lautet sein Urteil über den Ehrenspielführer. Nach der Vertreibung aus seiner schlesischen Heimat spielte Seifert von 1952 bis 1957 zunächst in Krainhagen. Als A-Jugendlicher kam er zum SVO. Von jenem Zeitraum an absolvierte er dort 1502 Spiele in der ersten Herrenmannschaft und kam damit in das Guinnesbuch der Rekorde. Als Torwart erlebte er viele Höhen und Tiefen seines Vereins. Vor allem in den Jahren 1957 bis 1963, als der SVO in der Amateuroberliga spielte und danach bis 1973 in der Verbandsliga. Zu den unvergessenen Höhepunkten zählten die Aufstiegsspiele 1962 gegen den Lüneburger SK und Goslar 08. Da kamen über 4000 Zuschauer ins Bornemann-Stadion. Als der SVO ein Jahr vorher beim SV Arminia Hannover mit 1:0 siegte und Meister wurde, wollten die Hauptstädter "Spatz" Seifert abwerben, aber der blieb standhaft. Immerhin gehörte er aufgrund seiner Leistungen bereits zum Kader der Niedersachsenauswahl. "Ich habe nach der eigentlichen Karriere auch noch in zweiten Herrenmannschaft weiter gespielt, dann allerdings nicht minder erfolgreich in der Abwehr als Libero", erinnerte sich Seifert. Es folgte die Zeit im Alt-Herren-Bereich, wo er sich als Spielführer, Betreuer und Organisator bewährte. Dass er so viel Sport treiben durfte, neben Fußball seit 1985 auch noch Tennis, zeitweilig in der zweithöchsten norddeutschen Klasse, dazu im Winter Langkauf - dafür ist er seiner Ehefrau dankbar, die selbst ein begeisterter Fußballfan ist und ihn nie gebremst hat. Dass sie ihn auch "Spatz" nennt und nicht umgekehrt, liegt daran, dass der kleine Ludwig früher ein schmächtiges Bürschchen war und damals im Tor wie ein Spatz herumhüpfte. Das hat sich zwar später geändert, aber der Kosename ist geblieben.

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