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Polizei übergibt Fall an die Staatsanwaltschaft / Münderaner unterschlägt rund 6000 Euro

Sparclub-Kassierer räumt das Konto leer

Bad Münder (jhr). Ein Sparclub ohne Geld – und mit echtem Groll gegenüber seinem Kassierer: Der scheint sich mit den gesamten Einlagen in Höhe von mindestens 6000 Euro aus dem Staub gemacht zu haben, die Polizei hat den Fall jetzt an die Staatsanwaltschaft Hannover übergeben.

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Seit Jahresbeginn hatten die Mitglieder des Clubs ihre Sparfächer in einer Gaststätte an der Marktstraße regelmäßig gefüllt: mal ein Zehn-Euro-Schein, mal ein Hunderter – jeder sparte, was er konnte und wollte. Und weil rund 40 Mitglieder dem Sparclub angehörten und sich verpflichtet hatten, mindestens einmal in der Woche ihr eigenes Sparfach zu füttern, kam schon bald eine stattliche Summe zusammen. Allerdings mehrten sich nach und nach die Zweifel daran, dass der zu Jahresbeginn eingesetzte neue Kassierer das Geld nach den wöchentlichen Leerungen tatsächlich auch auf das Konto des Sparclubs einzahlte.

„Anfang des Jahres habe ich mit ihm bei der Bank das Konto eingerichtet. Ich habe ebenfalls Kontovollmacht erhalten, damit über das Geld verfügt werden kann, wenn ihm etwas passieren sollte“, erklärt Wolfgang Narzynski, der zuvor zehn Jahre lang die Kasse des Clubs geführt hatte – ohne Beanstandungen. Wie Narzynski und viele andere Mitglieder des Clubs gehörte auch der Kassierer einem münderschen Schützenverein an und genoss daher besonderes Vertrauen der Sparer. Das wurde im Mai allerdings ein erstes Mal auf eine harte Probe gestellt: „Ich bin zur Bank gegangen und habe mich nach dem Kontostand erkundigt“, sagt Narzynski – die Antwort war für ihn erschütternd: „Nichts drauf“. Als der Kassierer mit dieser Tatsache konfrontiert wurde, erklärte er, das Geld auf ein anderes Konto eingezahlt zu haben und entschuldigte sich. Nachdem aber auch in der Folgezeit lediglich 360 Euro das Sparer-Konto füllten, und der Kassierer für die Sparclub-Mitglieder nicht mehr erreichbar war, erstatteten die ersten Sparer Anzeige. „22 sind bislang bei uns eingegangen“, bestätigte Polizeioberkommissar Hans-Jürgen Klapper gestern auf NDZ-Anfrage. Der Tatvorwurf: Unterschlagung. Die Spanne der Summen, mit denen einzelne Sparer betroffen sind, reicht von 50 bis 700 Euro. Klapper weiß aber auch, dass sich längst noch nicht alle betroffenen Sparer bei der Polizei gemeldet haben.

Zu denen, die sich in Gedanken bereits von ihrem Ersparten verabschiedet haben, gehört Udo Warnecke. 280 Euro hat er verloren, „für mich eine ganze Menge“, sagt er. Was für ihn ebenfalls schwer wiegt, ist der Vertrauensbruch. „Der kannte uns alle gut. So etwas tut man doch nicht, das muss doch auffliegen.“

Aus seiner Enttäuschung macht auch Narzynski keinen Hehl. „Meine Frau und ich haben regelmäßig gespart, um von dem Geld unseren vier Enkelkindern Weihnachtsgeschenke machen zu können“, erklärt er. Angenehmer Nebeneffekt im Sparclub: Die „Strafgelder“ für versäumte Einzahlungen und der Zinsgewinn wurden in den vergangenen Jahren für ein gemeinsames geselliges Essen aller Mitglieder verwendet. „Das gibt es in diesem Jahr nicht“, sagt Narzynski.

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