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Durch das Hasselbachtal / Holzminden ist „Das Tor zum Solling“

Sonntagsausflug durch den Solling: Hier entdecken Sie die „Dicke Eiche“

Innerhalb der Gebirge des Weserberglandes spielt der Solling eine recht eigenständige Rolle. Während die Landschaft sonst von großer Bewegtheit geprägt ist, wirkt der ausgedehnte Buntsandsteinrücken des Sollings insgesamt eher ruhig. Obwohl das Massiv auf der Großen Blöße auf 528 Meter ansteigt und damit die höchste Erhebung des gesamten Weserberglandes darstellt, ragen die einzelnen Bergrücken doch nur unmerklich über die bewaldete Wölbung hinaus. Fernblicke sind daher selten, es sei denn von den Türmen wie von jenem bei Silberborn.

Auf über 800 Jahre wird das Alter dieses Baumveteranen geschätzt

Autor:

Ingeborg Müller

Eine Besonderheit des Sollings sind seine ausgedehnten Wälder, die ihn zu 90 Prozent bedecken. Von den Eichen, welche im Mittelalter die lockeren Hudewälder bildeten, ist nach dem Raubbau für Glas- und Eisenhütten, vor allem aber für die Köhlerei, praktisch nichts mehr übrig geblieben. Ein Relikt dieser Zeit, die „Dicke Eiche“, werden wir bei unserem jetzigen Sonntagsausflug bewundern können. Später wurden vorwiegend Fichten und Buchen, aber auch wieder Eichen angepflanzt; heute halten sich Nadel- und Laubbaumbestände etwa die Waage.

Dass der Solling als Wandergebiet einen besonderen Reiz ausstrahlt, verdankt er nicht zuletzt den flachen und entsprechend breiten Wiesentälern, die von den Gebirgsrändern bis zum Zentralsolling ansteigen.

Allein von Holzminden aus sind es drei: Im südlichsten, dem Tal der Holzminde, führt eine Fahrstraße als Nebenstrecke hinauf nach Neuhaus, während nach Südosten im Tal der Dürren Holzminde die Bundesstraße 497 nach Mühlenberg und dann ebenfalls nach Neuhaus ansteigt. Lediglich in dem von Holzminden aus nach Osten verlaufenden Hasselbachtal gibt es nur eine Forststraße, sodass es besonders gut durchwandert werden kann. Wir wollen das bei diesem Rundweg tun. Ausgangspunkt ist die Stadt Holzminden, die sich mit voller Berechtigung „Das Tor zum Solling“ nennt. Sie liegt an der Bahnstrecke Braunschweig–Paderborn, außerdem gibt es zahlreiche Buslinien dorthin, darunter die wochentags im Stundentakt verkehrende Linie 520 Hameln–Holzminden der Regionalbus Braunschweig GmbH (RBB), Geschäftsstelle Holzminden. Kraftfahrer verlassen die Bundesstraße 83 in Stahle in Richtung Holzminden und überqueren dort die Weser erst auf der steinernen von (hannoverschem) Pferd und (eversteinischem) Eber bewachten Brücke. Sie durchqueren die Stadt in Richtung Uslar auf der Bundesstraße 497 bis zum Ortsausgang. Unmittelbar vor dem entsprechenden Schild liegt links ein größerer Wanderparkplatz mit einem großen hölzernen Hinweis auf den dahinter beginnenden Naturpark Solling.

90 Prozent des Sollings sind bewaldete Fläche.
  • 90 Prozent des Sollings sind bewaldete Fläche.
In Stadtnähe von Holzminden überrascht uns ein vielseitig ausges
  • In Stadtnähe von Holzminden überrascht uns ein vielseitig ausgestatteter Naherholungsweg.
Schäfchen zählen: Unser Sonntagsausflug bringt uns an diesem Woc
  • Schäfchen zählen: Unser Sonntagsausflug bringt uns an diesem Wochenende in die wunderhübsche Natur des Sollings.
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90 Prozent des Sollings sind bewaldete Fläche.
In Stadtnähe von Holzminden überrascht uns ein vielseitig ausges
Schäfchen zählen: Unser Sonntagsausflug bringt uns an diesem Woc
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Vorbei an der Wanderkarte folgen wir den Zeichen für die Fernwanderwege X16 und X19, beachten die nach rechts abgehenden Wege nicht, sondern wandern zunächst fast eben oberhalb des Hasselbachs entlang. Dem Bachverlauf entsprechend beschreibt unser Wanderweg eine deutliche Linkskurve. Alte Buchen stehen links vom Weg, während rechts der hier von Fichten geprägte Sollingwald ansteigt. Informationstafeln mit kurzen Texten belehren uns über die Besonderheiten des Lebens im und am Bach. In einer Rechtskurve unseres Wanderweges zweigt nach links ein den Bach überquerender Weg ab, der uns erst auf dem Rückweg interessieren wird. Jetzt gehen wir am Hasselbach entlang bis zu Niemanns Villa, einem Gebirgslandhaus inmitten einer im Sommer bunten Wiese.

Am Ende des Grundstücks steigt bei einer kleinen Schutzhütte nach rechts die Nagelbachstraße an, die uns auf einem abwechslungsreichen Weg hinauf zur Sohlhütte bringt. Dort zweigt nach rechts ein Weg nach Mühlenberg ab, der mit unserem nach Hellental beschilderten Weg ein Dreieck bildet. Wir gehen geradeaus weiter und werden unmittelbar danach von einem Holzschild nach links in den Wald zur Dicken Eiche geführt. Nach einem ganz kurzen Anstieg sehen wir deren hellen Stamm bereits zwischen den dunklen Fichtenstämmen hindurchschimmern. Der mächtige, auf gut 800 Jahre geschätzte Veteran, dessen Gipfel noch im vollen Grün steht, nötigt uns eine gewisse Ehrfurcht ab als Zeuge einer längst vergangenen Zeit.

Zurück auf unserem jetzt asphaltierten Forstweg sollten wir einmal zurückschauen, denn im Taleinschnitt bietet sich ein Blick auf den Köterberg jenseits der Weser. Dann steigen wir weiter an und gehen bei der Gabelung unseres Weges geradeaus weiter in Richtung Schießhaus. Wenig später biegt der Forstweg nach links ab, von rechts kommt ein anderer Weg herauf. Jetzt ist die Steigung nur noch gering, und bald haben wir den Scheitelpunkt erreicht. Die hier schnurgerade Forststraße führt durch eine zunächst lichte Bewaldung bergab, bis links von uns das Hasselbachtal beginnt.

Auf einer Bank jenseits eines nach rechts abzweigenden Weges können wir eine Rast einlegen, denn die einst so beliebte Ausflugsgaststätte „Waldmühle“ ist seit Jahren geschlossen. Auch in dem Waldmeiler Schießhaus, 600 Meter weiter, gibt es keine Einkehrmöglichkeit. Man muss also nicht unbedingt bis zu dem malerischen kleinen Ort gehen, zu dem übrigens von Norden her eine Fahrstraße führt. Denn unser Abstieg beginnt schon jenseits der Waldmühle auf der rechten Seite des Hasselbachtales entsprechend der Markierung X16. Es ist einer der besonders schönen Sollingwege oberhalb des breiten Wiesentales.

Der in dieses Tal abfallende Steilhang ist mit den unterschiedlichsten Bäumen bepflanzt und bildet deshalb so etwas wie ein „Who is who?“ des deutschen Waldes. Auf einer Holzbrücke überqueren wir dann den Bach und bleiben auf der anderen Seite im Tal, ohne die Seitenwege zu beachten. So kommen wir wieder zu Niemanns Villa und benutzen nun den nach rund 200 Metern rechts abgehenden Weg, auf dem wir noch einmal die andere Bachseite erreichen.

Wieder folgen wir dem Bogen des Baches auf dem auch hier als Wasserlehrpfad gestalteten Wanderweg. Der verläuft jetzt hoch über dem Hasselbach und würde uns bis zum Stadtrand von Holzminden bringen. Weit schöner aber ist ein anderer Weg unmittelbar neben dem Bach, zu dem wir bei einem deutlich erkennbaren Geländer nach links hinuntergehen.

Ganz unverhofft erwartet uns hier ein Dorado für Spaziergänger, vor allem aber für Familien mit Spielmöglichkeiten am und im Wasser und Sitzplätzen mit Tischen für ein Picknick. Auch dieser idyllische Weg führt, nachdem wir uns bei der Gabelung links gehalten haben, zu den ersten Häusern der Stadt auf die Straße Bachpfad. Wir biegen nach links in den Heuweg ein, umgehen das letzte Siedlungshaus, um in der umgekehrten Richtung bis zu jener Treppe zu laufen, die uns direkt wieder zu unserem Parkplatz bringt.

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