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Behinderte und nichtbehinderte Kinder und Jugendliche leben mit ihren Betreuern im Kinderhaus

Sippe – „der Begriff trifft es wohl ganz gut“

Aerzen (ll). Ob therapeutische oder soziale Einrichtungen – in der Gemeinde Aerzen gibt es mehrere Anbieter, die oft im Verborgenen wichtige Hilfe leisten. Unsere Zeitung stellt einige von ihnen vor. Heute: der Verein Kunterbunt. Liebe, Geborgenheit und Sicherheit zu erfahren und geben zu können – das ist aus Sicht des gemeinnützigen Vereins „Kunterbunt – Integrative Dienstleistungen“ der Schlüssel menschlichen Lebens und Wachsens. Die sozial-emotionale Ebene ist deshalb die wichtigste Grundlage der täglichen Arbeit.t.

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Aerzen (ll). Ob therapeutische oder soziale Einrichtungen – in der Gemeinde Aerzen gibt es mehrere Anbieter, die oft im Verborgenen wichtige Hilfe leisten. Unsere Zeitung stellt einige von ihnen vor. Heute: der Verein Kunterbunt.

Liebe, Geborgenheit und Sicherheit zu erfahren und geben zu können – das ist aus Sicht des gemeinnützigen Vereins „Kunterbunt – Integrative Dienstleistungen“ der Schlüssel menschlichen Lebens und Wachsens. Die sozial-emotionale Ebene ist deshalb die wichtigste Grundlage der täglichen Arbeit. Im Kinderhaus in Reher leben behinderte und nichtbehinderte Jugendliche gemeinsam mit ihren Betreuern wie in einem Familienverbund – gewiss auch mit Höhen und Tiefen.

Besonders wichtig sei es aber für die Kinder und Jugendlichen, jederzeit die Möglichkeiten zu haben, emotionale Bindungen zu festen Bezugspersonen aufbauen zu können, wie Michael Hubert berichtet. Der 36-Jährige ist Mitglied des Leitungsteams von „Kunterbunt“ und weiß, wie wichtig die alltäglichen Freuden, Arbeiten, Rechte und Pflichten für die Kinder und Jugendlichen im Kinderhaus an der Hauptstraße sind. „In ganz normalen Lebenszusammenhängen kann so Sinnhaftigkeit vermittelt werden“, sagt er. Sei es im hauswirtschaftlichen Bereich durch Tätigkeiten wie Kochen, Waschen und Putzen oder beim Erledigen der Hausaufgaben für die Schule: Es gelte, positive Bedingungen zu schaffen, damit die Kinder in Situationen ihres gegenwärtigen und zukünftigen Lebens weitgehend eigenverantwortlich handeln können.

Sippe – „der Begriff trifft es wohl ganz gut“

Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 18 Jahren können in dem Kinderhaus des Vereins, der noch weitere Kinderhäuser und Tagesgruppen in Eichenborn und Hämelschenburg unterhält, fest wohnen. Derzeit sind es neun im Alter zwischen zwei und 15 Jahren. Drei pädagogische Mitarbeiter arbeiten in der Einrichtung in Reher.

Darüber hinaus lebt das Ehepaar Krüger mit seiner Tochter in dem Kinderhaus. Die Krügers sind stets vor Ort und rund um die Uhr für die Kinder erreichbar. Michael Hubert muss herzhaft lachen. Eigentlich gehe das Zusammenleben sogar über die Kernfamilie hinaus. „Jemand bezeichnete uns scherzhaft einmal als Sippe“, meint der Sozialpädagoge. „Aber dieser Begriff trifft es wohl ganz gut.“

Tatsächlich: Gerade bei anstehenden Feierlichkeiten wie Ostern, Weihnachten und Silvester sei das Haus in Reher gut gefüllt. Kontakte zu ehemaligen Bewohnern der Kinderhäuser würden lange fortbestehen. „Zu diesen Feiern kommen auch Ältere, die früher einmal hier gelebt haben“, erklärt Hubert. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit müssen die Jugendlichen das Kinderhaus verlassen. „Dann haben wir manchmal Bauchschmerzen“, sagt Michael Hubert. Für die Jugendlichen folgt die Unterbringung in einer weiterführenden Einrichtung, die Rückkehr in die Ursprungsfamilie oder auch gänzlich selbstständiges Wohnen. „Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich.“ Umso größer sei die Freude aber dann, wenn für die Kinder „adäquate Anschluss-Wohnformen“ gefunden worden seien.

In der Zusammenarbeit mit den Kostenträgern für die Unterbringung im Kinderhaus müssen manchmal auch Wege beschritten werden, die es formal noch nicht gibt, führt Hubert aus. Und manchmal stünden die Mitarbeiter von „Kunterbunt“ bei den Behörden auch vor staunenden Augen. Wie im Falle der kleinen Michele. Die Zweijährige muss regelmäßig medizinisch versorgt werden. Ein Umstand, den man dem Verein zunächst nicht zutrauen wollte. Das Konzept von „Kunterbunt“ hat letztlich trotzdem überzeugt. „Ein bisschen verrückt sind wir manchmal schon“, meint Michael Hubert. Aber Unvorstellbares zu denken, sei nun einmal ein wesentlicher Teil der Lebens- und Arbeitsphilosophie.

Hartmut Krüger lebt mit seiner Familie im Kinderhaus und ist rund um die Uhr erreichbar. Die alltäglichen Freuden, Arbeiten, Rechte und Pflichten – auch in der Küche – gelten für die Kinder und Jugendlichen als wichtig. Fotos: ll

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