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Sonntagsausflug: Fünf Kilometer am Grießemer Berg

Sieben auf einen Streich: Die Erdfälle bei Grießem

Auch für den modernen Menschen sind Erdfälle von einer Aura des Geheimnisvollen umgeben. Obwohl die Geologie den Prozess der Auswaschung von wasserlöslichen Gesteinen im Untergrund und dem folgenden Deckeneinbruch der dadurch entstandenen unterirdischen Hohlräume durchaus nüchtern beschreibt, bleibt ein solches Naturereignis für den Wanderer doch ein gewisses Mysterium. Dabei spielt die Größe des entstandenen Kraters eher eine untergeordnete Rolle. Das bewies die Aufmerksamkeit, die ein zwar nur vier mal sechs Meter großer, aber elf Meter tiefer Erdfall Anfang des Jahres 2008 auf sich zog, der auf einer Pferdekoppel am Rande des Burgbergs bei Negenborn westlich von Stadtoldendorf eingestürzt war.

Zu Ehren von Fürst Friedrich Graf zu Waldeck und Pyrmont wurde d

Autor:

Ingeborg Müller

Nur wenige Tage zuvor hatte der Eigentümer mit dem Traktor auf der Wiese Silageballen zusammengefahren. Die sehr viel größeren Erdfälle bei Bad Pyrmont gehören zu den beliebten Ausflugszielen des Kurorts. Sie liegen am Südrand des Grießemer Berges. Sozusagen „Sieben auf einen Streich“ kann der Wanderer am Nordrand desselben Berges erleben, wenn er bei Grießem aus dem Grießebachtal ansteigt zu den sogenannten Sieben Kuhlen. Diese Anhäufung macht sie interessant, denn einzeln betrachtet sind die trichterförmigen Einbrüche in dem hier anliegenden Muschelkalk zugegebenermaßen nicht allzu attraktiv. Immerhin sind sie aber auf den Wanderkarten als Sehenswürdigkeit gekennzeichnet.

Darüber hinaus bietet eine verhältnismäßig kurze Rundwanderung am Grießemer Berg und an dem sich nach Westen anschließenden Papenberg ein an Ausblicken und einigen weiteren Besonderheiten erstaunlich reiches Erlebnis. Wir starten dazu in dem zum Flecken Aerzen gehörenden Ortsteil Grießem an der Bundesstraße 1 südwestlich von Hameln. Allerdings sind im Ort die Parkplätze rar, deshalb empfiehlt sich die Anfahrt dorthin mit dem Bus der Linie 30 Hameln–Bad Pyrmont des Nahverkehrs Hameln-Pyrmont bis zur Haltestelle Zellenweg, zumal auf dem Zellenweg unsere Wanderung bergwärts beginnt.

Wer nicht auf das Auto verzichten kann, findet notfalls auf dem Höhenweg auf dem linken Randstreifen eine Abstellmöglichkeit. Diese Straße biegt nach der scharfen Linkskurve der nach Bad Pyrmont führenden Passstraße nach links ab und ist nur in dieser Richtung befahrbar. Sie mündet in den Zellenweg, auf dem wir dann nach rechts ansteigen.

Die größte der Sieben Kuhlen ist als deutlicher Erdfall zu erken
  • Die größte der Sieben Kuhlen ist als deutlicher Erdfall zu erkennen.
Buchstäblich aussichtsreich ist der Abstiegsweg vom Papenberg.
  • Buchstäblich aussichtsreich ist der Abstiegsweg vom Papenberg.
Der Aerzener Löwe schmückt die Grenzsteine.
  • Der Aerzener Löwe schmückt die Grenzsteine.
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Die größte der Sieben Kuhlen ist als deutlicher Erdfall zu erken
Buchstäblich aussichtsreich ist der Abstiegsweg vom Papenberg.
Der Aerzener Löwe schmückt die Grenzsteine.
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Zweimal biegt der jeweilige Hauptweg nach rechts ab, wir gehen jedoch geradeaus bis zum Waldrand, nachdem wir uns beim Aufstieg zunächst am Blick über den Ort Grießem hinüber zum Saalberg und später nach links zu den Vorbergen des Grießemer und des Pyrmonter Berges erfreut haben. Oben müssen wir uns dann etwas umschauen, um die auf einer Strecke von etwa 500 Metern rechts und links des Weges am Waldrand und im Wald liegenden Erdfälle zu entdecken. Nachdem wir die letzte der Kuhlen im Linksbogen umgangen haben, erreichen wir den Waldrand oberhalb einer älteren Windbruchstelle, die uns die Aussicht über das Tal des Grießebachs hinüber nach Sonneborn und den dort ansteigenden, das jenseitige Extertal begrenzenden Höhenzug ermöglicht.

Dann erreichen wir einen Forstweg, der uns nach rechts zu der über den Grießemer Berg verlaufenden Fahrstraße führt. Diese heutige Landesstraße ist aus der ehemaligen Poststraße von Pyrmont nach Hameln hervorgegangen. Auf ihr mussten sich die Kutschen den Berg hinauf quälen, ehe Fürst Friedrich Graf zu Waldeck und Pyrmont sie zur Chaussee ausbauen ließ. Von unserem Standpunkt am Waldrand sehen wir unter uns noch die alte steile Trasse und links daneben eine der damals neu angelegten Serpentinen. Wenn wir dann ein Stück auf der Fahrstraße bergan gehen, finden wir auf der linken Seite den Obelisken mit der Krone und dem Monogramm des Fürsten. Ihm zu Ehren wurde die einstige Stundensäule („6 Stunden von Hameln, 1 Stunde von Pyrmont“) umfunktioniert.

Jenseits des Obelisken beginnt nun unser Anstieg zum Papenberg. Über ihn verlief seit 1562 die Grenze zwischen der Grafschaft Pyrmont und dem Fürstentum Hannover/Calenberg (Amt Aerzen). Den ersten Grenzstein entdecken wir vor dem rechts vom Wanderweg liegenden, romantisch wirkenden Steinbruch, später links zwei noch besser erhaltene mit dem Pyrmonter Ankerkreuz auf der einen und dem Aerzener Löwen auf der anderen Seite. Nachdem wir an dem zweiten vorbei gegangen sind, biegen wir nach rechts ab, um nach kurzem Abstieg auf einen am Südrand des Papenberges verlaufenden Querweg zu stoßen. Ihm folgen wir nach rechts zum Waldrand, wo uns noch einmal ein ganz bezaubernder Weitblick überrascht.

Der Rückweg auf dem von Hecken gesäumten Feldweg im Tal nach rechts bildet einen erholsamen Abschluss unseres Rundwegs, der den Ort Grießem bei der untersten Serpentine der Passstraße erreicht. Auf dem darüber abzweigenden Höhenweg erreichen wir wieder unseren Parkplatz oder den Zellenweg.

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