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Vor Gericht: 44-Jähriger freigesprochen / Trotz Kratzspur: "Im Zweifel für den Angeklagten"

Sex im Asylantenheim keine Vergewaltigung

Rinteln (maf). Vier Jahre nach einem dubiosen Vorfall im Asylbewerberheim am Bahnhofsweg ist ein 44-jähriger Bewohner der Unterkunft jetzt vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Laut Anklage sollte der in Nigeria geborene Mann im November 2004 eine ihm bekannte 22-Jährige in ein Zimmer gezogen, auf das Bett gedrückt und vergewaltigt haben.

Nach Auffassung des Schöffengerichts unter Vorsitz von Richter Christian Rost bestätigte sich der Vorwurf so nicht: "Das Gericht hat sich nicht davon überzeugen können, dass die Frau ausreichend deutlich gemacht hat, dass sie den Geschlechtsverkehr nicht wollte", so Rost in seiner Urteilsbegründung. Unstreitig war es an jenem Novemberabend zum Beischlaf gekommen. Nach Einlassung des Angeklagten hat die Frau freiwillig mit ihm verkehrt, ihrer Aussage zufolge war sie zum Sex gezwungen worden. Die Wahrheitsfindung gestaltete sich schwierig, weil die heute 24-Jährige im Laufe der Jahre unterschiedliche Angaben zu dem Geschehen machte. Unmittelbar nach dem Vorfall bei der Polizei, vor einem Jahr gegenüber ei-ner psychologischen Sachverständigen und nun im Gerichtssaal äußerte sie sich zum Geschehen abweichend. So sagte die junge Frau bei der Polizei,sie sei in das Zimmer gezogen worden, in der Hauptverhandlung gab sie an, küssend in den Raum gelangt zu sein. Einmal berichtete die Zeugin, der Angeklagte habe sie aufs Bett gedrückt, ein anderes Mal erzählte sie, sie habe sich selbst hingelegt. Bei der Polizei räumte die damals 20-Jährige ein, sie habe sich die Hose selbst ausgezogen. "In der Summeüberzeugt mich das alles nicht wirklich", äußerte die psychologische Sachverständige vor Gericht. Ihrer Einschätzung zufolge könnte die junge Frau die Unfreiwilligkeit nur subjektiv empfunden haben. Eine andere Ansicht vertrat Staatsanwalt Wilfried Stahlhut. Er verwies unter anderem darauf, dass die Frau nach dem Sexualkontakt von einem Frauenarzt untersucht worden war. Der Mediziner fand an ihrem Körper ein Hämatom und eine Kratzspur. Sie sei auch gleich zur Polizei gegangen und habe ihrem Vater und ihrer Schwester die Sache so geschildert, unterstrich Stahlhut. "Sie ist gewaltsam zum Geschlechtsverkehr gezwungen worden", resümierte er und forderte eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren für den Afrikaner. Das Gericht schloss sich dieser Auffassung nicht an. "Nach dem Grundsatz ,Im Zweifel für den Angeklagten' ist er freizusprechen", betonte Richter Rost in seinem Schlusssatz.

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