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Die Welt zu Hause in Schaumburg: Serie zur Fußball-WM / Goran Marinkovic freut sich an WM-Laune

Serbien-Montenegro schaut er sich nicht an

Steinbergen. "Ich finde es schön, dass die Menschen in Deutschland zurzeit verstärkt zusammenkommen und fröhlich sind." Goran Marinkovic aus Steinbergen schreibt seine positive Beobachtung dem Einfluss der Fußball-Weltmeisterschaft zu. Durch sein wöchentliches Pendeln zwischen Wohnort und dem Arbeitsplatz in Berlin hat derUnternehmensberater sowohl Eindrücke von der Fußball-Begeisterung auf dem Lande als auch in der Metropole gesammelt. Dabei ist sein persönlicher Rahmen für das Verständnis von Familie und Heimat noch wesentlich weiter gespannt. Er ist in Serbien geboren und aufgewachsen, und weil seine Eltern seit 1978 in Deutschland gelebt und gearbeitet haben, bekam er früh seinen persönlichen Bezug zum Gastgeberland der Fußball-WM 2006.

"Ich bin in Serbien geboren, aber das Weserbergland ist meine zw

Autor:

Werner Hoppe

"Als Teenager habe ich nie daran gedacht, woanders als in Jugoslawien zu leben", blickt er zurück. Dass es anders gekommen ist, habe am Balkan-Krieg gelegen. Damals ist Goran Marinkovic schließlich doch nach Deutschland gekommen und hat in der Zeit von 1993 bis 1998 in Hannover studiert. Wie die meisten Jungen habe er bis dahin auch Fußball gespielt, "aber nicht übermäßig", erzählt er. Erst während der Studienzeit habe er aktiv zu einer Vereinsmannschaft gehört. "Damals bin ich auch fast jede zweite Woche im Stadion gewesen und habe mitgefiebert, als Hannover noch in der Regionalliga gespielt hat." Fußball ist ein Teil der positiven Lebenshaltung von Goran Marinkovic. "Weil ich gerne draußen bin und mich auch gerne in einer Gruppe bewege", sagt er. In diesem Zusammenhang sei das Fußballspiel nur eine Sache. "Heute ist es mehr das Reiten," verrät er, "aber wenn man reitet, gehört man ja auch irgendwie zu einem Team, das Pferd unten drunter und der Mensch oben drauf". Dass der Reitsport Menschen genau so verbindet wie Fußball, kann er nur bestätigen. Auf diesem Wege hat er seine Ehefrau Sabine Winkler kennen gelernt. Beide sind sie überzeugte Pferdenarren und haben ihre zwei eigenenStuten in einem Stall in Ahe stehen. Die Vorliebe für Pferde hat der Wahl-Steinberger aus seiner Geburtsheimat mitgebracht. Der Großvater habe Pferde besessen, und er selbst sei in seiner Kindheit gerne und oft auf Transportkutschen mitgefahren. Für den Fußball an sich bringt Goran Marinkovic heute aus beruflichen Gründen weniger Zeit auf. Im Fernsehen sieht er sich Spiele und Reportagen ebenfalls nur gezielt an und weiß auch nicht, "für welche Mannschaft ich mich entscheiden soll". Mehr zähle für ihn, "dass die Menschen zusammenkommen und friedlich sind". Bei der Frage nach seiner Favoritenmannschaft muss er nicht nachdenken und gibt zu: "Ich würde mich natürlich freuen, wenn Deutschland Weltmeister wird, aber es darf auch ruhig mal was anderes geben. Zum Beispiel die Engländer würden sich sicher sehr freuen, wenn sie auf deutschem Boden gewinnen würden." Insgesamt registriert Goran Marinkovic "eine positive Grundstimmung auf der Straße und, dass im Augenblick viel mehr Menschen draußen sind als sonst". Dass es dabei auch genervte Gesichter gibt wie derzeit in Berlin wegen zahlreicher gesperrter Straßen und wegen der verstärkten Polizeikontrollen, sei zu verschmerzen, weil es ohnehin unmöglich sei, es allen Menschen recht zu machen. Dazu fällt ihm ein, "dass es in Deutschland bestimmt 80 Millionen Bundestrainer gibt, die am Spielfeldrand stehen und es meist besser wissen als die Spieler." Selber will aber nicht in eines der Stadien gehen. "Warum auch, ich hab' schließlich auch keine Karte bekommen können für die Spiele, die ich gerne sehen wollte, wie zum Beispiel das Eröffnungsspiel in München." Das nächste Spiel der Mannschaft von Serbien-Montenegro auf Schalke wird er sich auch nicht ansehen. Das Team in dieser Konstellation werde es sicher bei künftigen internationalen Wettbewerben nicht mehr geben, so viel sei klar. Und wenn die Mannschaft am Freitag gegen die Auswahl verlieren sollte, komme das endgültige Aus sogar noch etwas früher. Auf alle Fälle hat die Teilnahme der Noch-Nationalmannschaft bewirkt, dass er seinen Bruder und mit ihm seinen elfjährigen Neffen wiedersehen wird. Beide kommen in dieser Woche nach Deutschland.

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