weather-image
19°
Vortragüber Vererben / 550 Zuhörer erleben Auftakt der 6. Schaumburger Erbrechtstage

"Selbstgestrickte Lösungen hochgefährlich"

Bückeburg (bus). Die drei Themenkreise Vorsorgen, Schenken und Vererben stehen im Mittelpunkt der 6. Schaumburger Erbrechtstage. Dass die von der Sparkasse Schaumburg, dem Rechtsanwalt und Steuerberater Sven Wilkening als Mitglied des Deutschen Forums für Erbrecht e.V. und der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung organisierte Veranstaltungsreihe sich auch in ihrer sechsten Auflage großer Beliebtheit erfreut, stellte am Dienstag gleich der Auftaktabend unter Beweis: Etwa 550 Zuhörer füllten den großen Saal des Bückeburger Rathauses. Ihr Interesse galt dem von Professor Dr. Klaus Michael Groll gehaltenen Vortrag "Vererben mit Sinn und Verstand".

Am Auftaktabend der Erbrechtstage referiert Professor Dr. Klaus

"Es geht um nicht mehr und nicht weniger als unser aller Ende", fand der Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht ein griffiges Einstiegsbonmot. Die Quote der misslich formulierten Testamente stelle beängstigend eindrucksvoll unter Beweis, dass das Schneidern eines erbrechtlich bestens passenden Maßanzugs einem filigranen Handwerk gleiche. "90 bis 95 Prozent aller letztwilligen Verfügungen sind falsch, widersprüchlich oder gar gänzlich unwirksam", hätten Statistiken ergeben. Wobei ohnehin nur etwa jeder vierte Deutsche ein Testament verfasse. Groll: "Im Interesse der Familie und der Erhaltung des in der Regel hart erarbeiteten Vermögens schulden wir es unseren Erben, mit Hilfe einer sorgfältig formulierten letztwilligen Verfügung Klarheit zu schaffen, wirtschaftlich vernünftig zu agieren, Gerechtigkeit zu üben, Frieden zu stiften und natürlich auch eine unnötige Bereicherung des Fiskus zu vermeiden." Diese Ziele seien jedoch nur mit gründlicher juristischer Beratung zu erreichen. "Selbstgestrickte Lösungen sind hochgefährlich", warnte der Professor. Alles klug geregelt zu haben, beruhige schon zu Lebzeiten. "Man tut also nicht nur seinen Erben, sondern auch sich selbst einen großen Gefallen." Der Referent schilderte die vielfältigen Fallstricke und Schlupflöcher des Metiers in überaus pointierter Art. Etliche Fälle aus der Praxis - Groll ist Fachanwalt für Steuerrecht, Lehrbeauftragter der Ludwig-Maximilians-Universität München und Autor zahlreicher Fachveröffentlichungen - und beispielhaft dargestellte Konstellationen brachten die Materie auch den von Rechtskenntnissen unbeleckten Teilen des Publikums näher. "Ich kann hier sowieso nur die Spitze des Testament-Eisbergs berühren", verdeutlichte der frei vortragende Professor die Mannigfaltigkeit seines Ressorts. Groll bezeichnete den Verzicht auf eine vernünftige Nachlassplanung den Erben gegenüber nicht nur als "verantwortungs- und kulturlos", sondern darüber hinaus auch als "durchaus lieblos". Wer keine oder eine nicht durchdachte Regelung treffe, hinterlasse den Erben häufig eine Situation, die unweigerlich zu Streitigkeiten führen müsse. "Selbst eine Scheidung ist im Vergleich zu einem vor Gericht ausgetragenen Erbstreit mitunter ein vergnügliches Kasperltheater", befand der Referent. Die Erbrechtstage werden am heutigen Donnerstag um 19.30 Uhr mit dem von Chefarzt Dr. med. Friedemann Ficker gehaltenen Vortrag "Morbus Alzheimer - unser aller Zukunft?" fortgesetzt. Im Anschluss klärt Dr. Constanze Trilsch über "Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung" auf. Am Dienstag, 6. Februar, gibt Dr. Michael Messner um 19.30 Uhr mit Blick auf das Thema "Vererben und schenken" Ratschläge zur steuerlichen Gestaltung. Die Ausführungen von Dr. Messner lassen eine hohe Aktualität erwarten. Gestern urteilte das Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftssteuer. Die begünstigte Bewertung von Immobilien wurde zurückgewiesen. Bei dem Urteil ging es um die Frage, ob Immobilien und Grundstücke weiter so günstig verschenkt und vererbt werden können wie bisher. Während Aktien oder Geld im Erbfall in voller Höhe versteuert werden, setzt der Fiskus bislang bei Immobilien günstigere Werte an. "Es ist wirklich spannend", so Groll. Weswegen der Professor noch am Dienstagabend die ehemalige Residenzstadt per Schlafwagen Richtung München verließ, um den Medien gestern Morgen als gefragter Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare