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Sebastian Pommerening gehört zu den besten Nachwuchsrappern / „Ich habe den Flow auf den Beats“

Sein Tonstudio ist eine Ecke im Zimmer

Bensen. Rechtsextremismus, Frauen- und Homosexuellenfeindlichkeit, Antisemitismus, Körperverletzung und Jugendgefährdung – die Liste der Skandale und die Kritik an den Texten von Deutschlands provokantesten und zugleich erfolgreichsten Rapper Bu-shido ist lang. Sein Leben bietet jedenfalls genügend Stoff für einen Film, sodass der Berliner Rapper in knappen zwei Wochen sein Kinodebüt feiert.

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Autor:

Julian Mau

„Ich werde mir den ersten Rap-Film Deutschlands schon interessehalber ansehen“, sagt Sebastian Pommerening. Fan von Bushido ist er aber nicht. „Der kann sich halt gut vermarkten. Die Beats in einigen Songs kann man sich auch geben. Die Texte mag ich aber nicht.“ Sebastian ist selbst Rapper. Skandale, Schlägereien, gewaltverherrlichende Texte gehören nicht zu seinem Repertoire. Und als Bensener kommt er auch nicht gerade aus dem Ghetto wie seine prominenten Kollegen in dem Geschäft. Trotzdem gehört der 16-Jährige zu den erfolgreichsten Jung-Rappern Deutschlands.

Er ist sympathisch, intelligent und hat irgendwie immer Kopfhörer auf den Ohren: „Naja, nicht immer. Halt wenn ich unterwegs bin. Musik ist mein Leben. Ich höre aber nicht nur Rap, manchmal auch Rock oder Pop, wenn es mir gefällt.“

Die Kopfhörer sind am Freitag garantiert auch dabei. Dann ist Sebastian nämlich wieder unterwegs. Von einer Jury wurde er als einer der besten Nachwuchsrapper gekrönt und darf am Sonntag sein erstes großes Konzert vor über 1000 Menschen, darunter auch einige Promis, geben. „Wenn ich daran denke, bin ich schon ziemlich aufgeregt.“ Konzerterfahrung konnte er bisher nämlich nur bei einem Miniauftritt am letzten Schultag an seiner Schule, dem Schiller-Gymnasium in Hameln, sammeln.

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Lampenfieber gehört dazu, und damit alles gutgeht, bekommt er auch noch professionelle Unterstützung. Am Samstag vom Profi-Rapper Doppel-U höchstpersönlich. Sebastian nimmt für die Vorbereitung zusammen mit anderen Jungrappern, die auch am Sonntag auftreten, an einem Workshop teil.

„Rap gehört genauso in die Schulklassen wie die Gedichte von Goethe und Schiller. Viele ihrer Gedichte weisen die gleichen Merkmale wie unser heutiger Rap auf, nämlich Rhythmus und Reime. Und es ist doch egal, wann gereimt wurde – Hauptsache, es ist gut“, sagt Doppel-U, der ähnliche Workshops auch an Schulen leitet. Den Standpunkt unterstützt Sebastian: „Rap muss meiner Meinung nach nicht immer ghetto, also böse, sein.“ Sebastians Song, den er am Sonntag präsentiert („Im Zuge der Entwicklung“), handelt von der Evolution. „Mich hat das Thema einfach interessiert. Ich stelle die Evolution von früher bis heute dar und gehe noch bis in die Zukunft weiter.“ Das Lied sei eine Nachricht aus der Zukunft, in der die Maschinen Kontrolle über die Menschen bekommen. Die Songs schreibt er selbst und produziert sie im eigenen Zimmer: „Die Beats bekomme ich aus dem Internet. Die Texte schreibe ich und rappe sie auf die Musik.“ Mit dem Rap angefangen hat er mit 12 Jahren. „Ich fand die Musik ganz cool, obwohl ich sie wegen der englischen Texte nicht verstanden habe. Irgendwann habe ich selbst angefangen zu schreiben.“ Anfangs seien die Reime noch relativ simpel gewesen. „Naja, da hat man halt so Maus auf Haus gereimt zum Beispiel.“ Im Internet und einer Rap-AG an der Schule habe er sich Infos und Tipps geholt, wie man besser reimt und rappt. „Mittlerweile habe ich den Flow auf den Beats“, sagt der Jungrapper und meint damit wohl, dass das Rappen ganz gut klappt.

„Von dem Wochenende in Köln verspreche ich mir, viel Erfahrung zu sammeln und eventuell ein bisschen bekannter zu werden.“ Wenn ein Plattenvertrag am Sonntag drin ist, wäre das auch nicht schlecht. „Rechnen tu’ ich damit aber nicht.“

Bushido (vorne) und Arafat (Moritz Bleibtreu, rechts), im neuen Rap-Film über Bu-shidos Leben „Zeiten ändern dich“.

Nachwuchsrapper Sebastian aus Bensen will den Film auch sehen.

Foto: pr

Mit den Rappern Eminem und 2-Pac im Nacken, probt Nachwuchsrapper Sebastian Pommerening, alias Nash, für sein erstes großes Konzert am Sonntag in Köln.

Fotos: Dana

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