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Schweißen, sägen, sprengen – unter Wasser

Natürlich taucht er auch gerne in Urlauberparadiesen wie den Malediven, aber spätestens nach einer Woche mit kristallblauem lauschig warmem Wasser, Tropenfischen in Hülle und Fülle und einer atemberaubenden Unterwasserlandschaft zieht es Alexander Meyer zurück in die Heimat. Zurück zu den trüben und eher kalten Gewässern des Weserberglandes. „Vielleicht liegt es auch an meinem Beruf, dass ich mir lieber die heimischen Fische anschaue“, gibt der gelernte Fischwirt zu. Aber das alleine mache den großen Unterschied zwischen Sport- und Bergungstauchen nicht aus. 1990 hat er beim Emmerthaler Tauchclub gelernt, sich unter Wasser zu bewegen.

THW-Tauchausbilder Alexander Meyer (an der Winde) mit Kollegen w

Autor:

Matthias Rohde

„Das war genau mein Ding“, erinnert sich der heute 33-Jährige. Er absolvierte Lehrgang um Lehrgang, bis er 2002 seine Ausbildung zum Tauchlehrer abschloss. Aber damit nicht genug: Seit 16 Jahren ist Meyer Mitglied des THW. Und die Idee, eine THW-Tauchgruppe in Hameln zu etablieren, sei quasi von ganz allein gekommen. „2003 hat der THW-Landesverband unser Vorhaben genehmigt.“ Im selben Jahr noch wurde die Tauchgruppe gegründet. Inzwischen gehören ihr stets rund zehn aktive Taucher an.

Wenn die THW-Taucher gerufen werden, gebe es immer einen konkreten Auftrag, erklärt Meyer – „angefangen von Bergungsaufträgen über Reparaturmaßnahmen bis hin zur Personensuche“. Im Jahr 2006 wurden die Hamelner Wehre saniert; nach diesen Arbeiten mussten die Spundwände oberhalb des unter Wasser liegenden Betonsockels abgetrennt werden. „Dieser Einsatz war eine gute Ausbildungsmöglichkeit für alle THW-Taucher in Deutschland“, so Meyer.

Der Hamelner ist mittlerweile als einer von nur drei auf Bundesebene tätigen THW-Tauchausbildungsleitern tätig. Zum Spundwändeschneiden kamen damals auch Tauchgruppen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen nach Hameln. In der Regel aber werden die THW-Taucher einmal pro Jahr in einem einwöchigen Lehrgang am Starnberger See weitergebildet. Dort betreibt die Bundeswehr einen Tauchstützpunkt, den sie dem THW zur Verfügung stellt. Dann kommen unter Wasser Kettensägen, Bohrmaschinen, Bolzenschussgeräte, Schneidbrenner sowie Spül- und Sauggeräte zum Einsatz. Meyer schildert: „Wenn beispielsweise ein Schiffswrack geborgen werden soll, der Untergrund aber so verschlammt ist, dass das Anbringen eines Hebegurts unmöglich ist, müssen zunächst einige Zentner Schlamm bewegt werden.“ Dazu nutzen die Experten spezielle Sauggeräte.

Jedes Mitglied der Tauchgruppe bewahrt seine persönliche Ausrüst
  • Jedes Mitglied der Tauchgruppe bewahrt seine persönliche Ausrüstung in einem der Körbe auf.
Wasser und Feuer – für die THW-Taucher verbinden sich beid
  • Wasser und Feuer – für die THW-Taucher verbinden sich beide Elemente. Sie sind Spezialisten für Rettungs- und Bergungsarbeiten im Wasser.
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Zu einem seiner bevorzugten Tauchreviere zählt auch die Okertalsperre. Je nach Wasserstand könne man dort 30 bis 40 Meter tief tauchen. Stockfinster sei es dort bereits nach wenigen Metern, gerade das reize ihn sehr, sagt Meyer. „Wenn man bis auf den Grund taucht, kann man wunderbar in den Ruinen des alten Dorfs Schulenburg stöbern, alte Brücken- und Gebäudereste erahnen.“ Während das Spundwändeschneiden und die Erkundung der Okertalsperre routiniert abzuarbeiten seien, komme es zum Beispiel bei der Leichensuche auf große Professionalität an. „Für solche Einsätze eignet sich nicht jeder Taucher, denn für diese Aufgabe ist vor allem Erfahrung notwendig, auch Erfahrung mit psychischen Belastungen, wie sie bei Katastropheneinsätzen keine Seltenheit sind.“

Der Leiter der Hamelner THW-Dienststelle, Tobias Tasler, kündigt an: „Wir wollen die Tauchgruppe in den nächsten Jahren weiter ausbauen. Wichtig ist, dass wir personell jederzeit in der Lage sind, einen Auftrag abzuarbeiten.“ Wenn es ums Bergungstauchen gehe, müssten alle Vorschriften penibel eingehalten werden, denn die Sicherheit der Taucher sei oberstes Gebot. So sei die Zahl der Personen, die bei einem solchen Tauchgang anwesend sein müssen, auf mindestens fünf festgelegt. Rund 80 Kilo wiege eine komplette Tauchausrüstung, allein der Helm schlage dabei mit knapp 20 Kilogramm zu Buche. Die lebensnotwendige Ausrüstung werde im Wasser in der Regel doppelt mitgeführt.

An zahlreichen THW-Einsätzen hat Meyer schon teilgenommen, auch an Land. Beispielsweise bei Hochwassern. Wenn einmal eine Deichentlastungssprengung nötig werden sollte, dann könnte es Alexander Meyer sein, der den Auftrag erhält, sich in seinen Tauchanzug zu zwängen, um die Ladung anzubringen. Er ist der einzige THW-Taucher in ganz Norddeutschland, der die dafür notwendige Ausbildung erfolgreich absolviert hat. Aber natürlich hofft er, dass es so weit niemals kommt: „Wir setzen alles daran, dass die Deiche halten.“

Wenn unter Wasser Kettensägen, Bohrmaschinen und Schneidbrenner zum Einsatz kommen, dann ist Alexander Meyer voll in seinem Element. Der 33-jährige Tauchlehrer hat beim THW eine Tauchgruppe ins Leben gerufen – deren Mitglieder kommen zum Einsatz, wenn zum Beispiel ein Schiffswrack geborgen werden muss. Seine Kenntnisse aus über 20 Jahren Tauchpraxis gibt Meyer an andere weiter: Als einer von drei Tauchlehrern ist er bundesweit als THW-Ausbilder tätig.

Fertig zum Tauchgang: „Maskenmann“ Alexander Meyer.

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